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Kurz berichtet

Strauss: Der Rosenkavalier
Foto Saad Hamza
Essen

Hier geht wirklich alles drunter und drüber. Menschen werden zu Puppen, Ausstellungsstücke zu Menschen, die Welt steht Kopf. Alles ein Traum. Soll so sein? Nicht E. T. A. Hoffmann ziert das Programm dieses Abends, sondern das Tandem Strauss-Hofmannsthal. Der Strauss-Zyklus des Essener Aalto-Theaters ist nun beim «Rosenkavalier» angekommen, und der überreicht seine silberne Rose im Museum zwischen Leiter und Farbtopf. Über ihm prangt das k. u. k.-Wappen an der Wand, in einer der beiden Vitrinen hängt Menzels Bild vom «Eisenwalzwerk» – realiter in Berlin beheimatet und nicht in Wien. Hier mischt und mengt sich alles, was geht. Auch die Epochen geraten in einem Mix vom Rokoko bis zum modernen Polizei-Outfit durcheinander.
Anselm Weber, Essens designierter Schauspiel-Intendant, lässt seinen «Rosenkavalier» noch vor dem ersten Ton aus dem Orchestergraben beginnen. Die letzten Museumsbesucher – Achtung Klischee: lauter Asiaten – bestaunen Fotos knipsend die Vitrinen, bis der Museumswärter, ein gewisser Baron Ochs, sie nach Hause schickt. Nun steigen die Figuren aus ihren Schaukästen und beginnen das Traum-Spiel vom Rosenkavalier. Die Reste eines Edelmanns, die Hof­manns­thal seinem Lerchenau-Baron zugedacht wissen wollte, sind hier einer Loser-Mentalität gewichen. Problematisch auch, diese ohnehin ironisch gebrochene Figur bis zur Karikatur eines Beamten zu steigern. Alles ein Traum. Soll so sein! Selbst einzelne blitzgescheite Einfälle können diese Inszenierung nicht retten. Sie erstickt, weil sie so schrecklich überladen ist.
Wer genug gesehen hat, schließt die Augen und verlässt sich auf die Ohren. Stefan Soltesz hat die Essener Philharmoniker wieder bestens eingestellt, alle bisweilen klebrige Süße der Partitur ausgetrieben und die zahlreichen Schattierungen vermutlich hundertmal proben lassen. So jedenfalls hört sich dieser «Rosenkavalier» an: vital und genau durchdacht. Martina Serafin war eine vor allem am Ende des ersten Akts treffend melancholische Marschallin, doch konnte sie auch energisch werden, ohne ihre Stimme zu überfrachten. Wunderbares Timbre, für den Octavian freilich etwas zu silbern-metallisch, offenbarte Claudia Mahnke: Sie hatte ihrer stärks­ten Momente im zweiten Akt. Unbedingt hervorzuheben ist Rachel Harnischs Sophie: jugendlich keck, teils bewusst naiv, höhensicher, nie schrill. Franz Hawlata, als Ochs erfahren, ließ sich Routine nicht wirklich anmerken und orgelte munter und fürstlich durch die Bass­register.

Strauss: Der Rosenkavalier.
Premiere am 20. November 2004. Musikalische Leitung: Stefan Soltesz, Inszenierung: ­Anselm Weber, Bühnenbild: Thomas Dreißig­acker, Kostüme: Bettina J. Walter. Solisten: Martina Serafin (Marschallin), Franz Hawlata (Ochs), Claudia Mahnke (Octavian), Rachel ­Harnisch (Sophie), Tomas Möwes (Faninal) u. a.


Christoph Vratz / opernwelt / Seite 54 / Januar 2005

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