Hamburgs GMD Simone Young bringt ihre nicht gekürzte Fassung von Donnizettis Oper wieder auf die Bühne.
Beschreibung:
Lucia, ein zartes, in Koloraturen sich äußerndes Wesen, wird von Lord Enrico Ashton, ihrem brutalen Bruder, aus dynastischen Gründen zu einer Heirat gezwungen, obwohl sie einen anderen liebt. Über diesen Konflikt verliert sie den Verstand, was zu ihrer weltberühmten Wahnsinnsarie, dem Höhepunkt des Werkes, führt. Dieses romanhafte, auf eine Erzählung von Walter Scott zurückgehende Geschehen wird von Sandra Leupold sehr reizvoll als eine Art Gespensterreigen inszeniert, den die Geister von ehemaligen Opernsängern in einem herrlich verstaubten, mit vielen malerischen Details versehenen Bühnenbild präsentieren. Dabei nimmt sich die Regisseurin die Freiheit, sich nicht unbedingt sklavisch an die Realität des Librettos halten zu müssen; denn Geister denken eben manchmal auch etwas surrealer.
Bewertung:
Alte Oper wird mit leichtem Augenzwinkern in einen hoch ästhetischen historisierenden Rahmen gestellt. Das Dirigat von Simone Young garantiert sensibles Musizieren einer oft als pauschal abgetanen Partitur. Und die in der Premiere nicht durchgehend zufriedenstellenden gesanglichen Leistungen dürften durch prominente Umbesetzungen in den Hamburger Belcanto-Wochen im September, u. a. mit Elena Mosuc in der Titelrolle, spürbar verbessert werden.