(Bis 4.12.) Für das groß angelegte Henze Projekt im Kulturhauptstadtjahr «Ruhr 2010» und als Höhepunkt der RuhrTriennale hat Hans Werner Henze eigens ein neues Musiktheaterstück beigesteuert, das, wenn auch charmant, aus der Zeit gefallen ist.
Beschreibung:
Die Kunststudentin Gisela stammt aus Oberhausen und reist mit ihrem Freund Hanspeter nach Neapel. Er will ihr dort eigentlich einen Heiratsantrag machen, doch sie trifft im Fremdenführer Gennaro die Liebe ihres Lebens. So lässt sie ihren Hanspeter sausen und überzeugt den Italiener mit dem Commedia-dell’Arte-Charme, mit ihr nach Oberhausen zu kommen.
Wie der über den deutschen Norden staunt, mag es in den 50ern tatsächlich gewesen sein, als die ersten Italiener ins Ruhrgebiet kamen und Henze ins Sehnsuchtsland Italien ging. Die Geschichte und der Text sind aber nicht nur (unfreiwillig) komisch, sondern collagieren auch bewusst Versatzstücke von Bahnsteigwirklichkeit mit surrealen Alptraumszenen. Bis am Ende der Vesuv ausbricht. Ein seltsames Freudenfeuer – nicht nur für Oberhausen.
Regisseur Pierre Audi hat die sich merkwürdig sträubende Geschichte raumfüllend in die Maschinenhalle Zeche Zweckel platziert – einen glaubwürdigen Bahnsteig mit drei Kuben versehen, die sich als Spielorte sinnvoll ins Erlebte und Geträumte fügen. Henzes Musik überrascht im plötzlichen Nebeneinander verschiedener Gefühlslagen. Kraftvolle Ausbrüche, ariose Chorsätze, ein spielerischer Umgang mit Bach ersetzen im Nebeneinander den großen zwingenden Bogen.
Bewertung:
Diese seltsame Liebesgeschichte war für die jungen Künstler in Gladbeck, für die sie geschrieben wurde, eine Inspiration, sich mit Eifer der Musik Henzes zu nähren. Die Meisterschaft des 84jährigen blitzt auch in diesem kleinen Werk in verschiedenen Formen auf. Nun ist Henze immer Henze, aber ob es «Gisela» an die Seite seiner großen Werke auch ins Repertoire schaffen wird, das muss sich erst noch zeigen. Die anstehende Neuinszenierung beim Co-Auftraggeber, der Semperoper in Dresden, ist die erste Gelegenheit.