Das romantische Erbe der «Don Giovanni»-Rezeption schüttelt Kölns Intendant Uwe Eric Laufenberg bei seiner jüngsten Mozart-Inszenierung einfach ab.
Beschreibung:
Sein Ansatz: In einer Zeit, in der Treue und Moral an Stellenwert in der Gesellschaft eingebüßt haben, kann die Titelfigur nur noch bedingt als Revolutionär wirken. Folge: Die Handlung wird konsequent in die Jetzt-Zeit transferiert. Dass die Regie-Arbeit an einigen Stellen munter in die Klischeefalle tappt, ist überflüssig - das Konzept hätte auch funktioniert, wenn Masetto und Zerlina nicht türkischen Familien zugehören würden (samt schablonenhafter Zeichnung ihrer Clans); auch die Maskierung Ottavios, Elviras und Annas im Burka-Look hätte es nicht gebraucht, ebenso wenig wie die Orgie am Ende des ersten Aktes.
Laufenbergs Inszenierung ist nie spektakulär, lebt aber – im besten Sinne – von solidem Handwerk, das in erster Linie dem Ziel dient, eine Geschichte zu erzählen. Der Abend hätte an Tiefe gewonnen, wenn der Einsatz moderner Medien konsequenter nutzbar gemacht worden wäre. Die Gleichzeitigkeit der Video-Animationen (Überwachungskameras, Don Giovannis Eroberungen als Liste im i-phone) hätte auf der Bühne zu einer eigenen Form von Simultaneität führen können, die nur zwei mal zustande kommt wird: wenn die Zuschauer im Saal gefilmt (und gezeigt) werden; und wenn Donna Anna im Bühnenhintergrund dem Zauber Don Giovannis zweimal erlegen ist. So entstehen Metaebenen, die Spannung bergen.
Bewertung:
Musikalisch ist das Ergebnis insgesamt sehr schlüssig. Ein auf historisch informiertes Spiel klug von Markus Stenz geeichtes Gürzenich-Orchester, aus dem die Fabel-Holzbläser herausragten, sowie ein auffallend ausgeglichenes Sänger-Ensemble mit Christopher Maltman als Giovanni, Simone Kermes als Anna sowie Maria Bengtsson als Elvira. Die Bilanz nach der ersten Laufenberg-Saison kann nur heißen: Das Kölner Haus lebt wieder.
Eine ausführliche Rezension der «opernwelt» finden Sie hier.