Der 31-jährige Einars Rubikis gewinnt den dritten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker.
Die Magie kam im dritten Satz: Im poco adagio von Mahlers vierter Sinfonie gelang Einars Rubikis tatsächlich jener träumerische Schwebezustand, den nur die wirklich guten Dirigenten hinbekommen. Das Orchester sanft, aber unbeirrbar auf die große Fortissimo-Entladung zutreibend, zeigte der schlaksige Lette hier, dass hinter einer weichen Oberfläche auch ein harter Kern stecken kann. Wie schon am Tag zuvor, so überzeugte der 31-Jährige auch im Abschlusskonzert des dritten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs der Bamberger Symphoniker vor allem als ein Mann der leisen Töne.
Zum Lohn verlieh die hochkarätig unter anderem mit Herbert Blomstedt und Bambergs Chefdirigent Jonathan Nott besetzte Jury Rubikis den ersten Preis und legte damit zugleich eine schwere Last auf die Schultern des schmächtigen jungen Mannes: Der erste Gewinner des alle drei Jahre ausgetragenen Wettbewerbs war 2004 der Venezolaner Gustavo Dudamel gewesen. Ein Volltreffer, der den neuen Wettbewerb in der kleinen internationalen Spitzengruppe etabliert hatte. Der zweite, siegerlose Wettbewerb 2007 hatte die Erwartungshaltung noch erhöht, dass ein erster Preis die Entdeckung eines neuen Maestro-Stars bedeuten könnte.
Ob Rubikis eine Weltkarriere nach dem Muster Dudamels machen wird, muss allerdings erstmal offen bleiben: Seine Interpretation von Mahlers «Wunderhorn»-Sinfonie mit den Symphonikern hatte zwar immer wieder Momente berückender lyrischer Schönheit, litt jedoch vor allem in den ersten beiden Sätzen unter einem Spannungsdefizit. So richtig es ist, dass die Jury keinem jungen Turbo-Talent den Sieg zuerkannt hat – etwas mehr Adrenalin und Draufgängertum muss der bislang vorwiegend als Chordirigent aktive Rubikis schon zeigen, wenn er von den großen Orchestern ernst genommen werden will. Aber auch Dirigenten wachsen ja gelegentlich an ihren Herausforderungen.