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KLANGFARBE

Das Saxophon
Foto: Dmitri Mikitenko/Fotolia
Instrument mit vier Karrieren

Vor 75 Jahren begann eine neue Ära für das Saxophon. Am 3. Oktober 1932 brachten die Berliner Philharmoniker beim Tonkünstlerfest in Hannover mit dem Solisten Sigurd Raschèr das Konzert für Altsaxophon und Orchester von Edmund von Borck zur Uraufführung, das erste ausgewachsene Saxophonkonzert der Musikgeschichte. In dem lebendigen, ungemein reizvollen Werk, das stilistisch dem Hindemith der 20er Jahre nahesteht, bildet die Klangfarbe des Saxophons eine Brücke zwischen den häufig hervortretenden Blechbläsern und den anderen Orchestergruppen.

Sigurd Raschèr, der vor 100 Jahren, am 15. Mai 1907, in Elberfeld (Wuppertal) geboren wurde, ist einer der Väter des „klassischen“ Saxophons. Schier unübersehbar ist die Zahl der Werke, die für ihn geschrieben wurden, darunter einige der bekanntesten Konzerte und Konzertstücke von Glasunow, Ibert und Frank Martin. 1969 gründete er mit seiner Tochter Carina und zwei ehemaligen Schülern das Raschèr Saxophone Quartet, das anfangs hauptsächlich Transkriptionen spielte, inzwischen aber auf rund 300 Uraufführungen zurückblicken kann, darunter auch Werke für Saxophonquartett und Orchester. 1980 trat Raschèr aus dem Quartett zurück, er starb am 25. Februar 2001 in Shushan, New York. Was das Saxophonquartett betrifft, muss man Raschèrs französischem Rivalen Marcel Mule (1901 –  2001), der auch als Solist hervortrat und als Lehrer sehr einflussreich war, allerdings die Priorität einräumen. Sein 1928 gegründetes Quartett inspirierte u.a. Glasunow und Françaix zu Werken, die heute den Grundstock des Originalrepertoires bilden.
 

Fagottersatz aus Messing

Foto: Adolphe Sax um 1860Als das Saxophon 1840 erfunden wurde, dachte vermutlich kaum jemand, dass es einmal eine solche Karriere machen würde. Adolphe Sax strebte zunächst nach einem Instrument, das ein tragfähigeres Fundament im Bläsersatz bilden würde als Fagott oder Bassklarinette, insbesondere beim Spielen unter freiem Himmel. 1814 als Sohn eines renommierten Instrumentenbauers im belgischen Dinant geboren und sozusagen in der Werkstatt aufgewachsen, kannte er sich in der Akustik der Blasinstrumente gut aus, als virtuoser Flötist und Klarinettist auch in der praktischen Handhabung. 1841 stellte er in Brüssel ein neues Instrument vor, das er in berechtigtem Erfinderstolz nach sich benannte: „Saxophone basse en cuivre“ (cuivre steht für die Kupferlegierung Messing). Sax wusste, dass für die Klangeigenschaften eines Blasinstruments neben der Art der Tonerzeugung der Verlauf der Schallröhre entscheidend ist: ob sie zylindrisch ist wie bei der Klarinette, konisch, also vom Mundstück an kontinuierlich weiter werdend wie bei der Oboe oder abschnittsweise zylindrisch und konisch wie beim Waldhorn. Beim Saxophon erzielte er die gewünschten Eigenschaften durch die Kombination eines einfachen Rohrblatts (wie es die Klarinette hat) mit einer konischen Röhre. In allen Berichten über das neue Instrument wurde besonders erwähnt, dass es sowohl über ein zartes pianissimo, als auch über ein sattes forte verfügt.
 

Familie Saxophon

1842 gründete Sax in Paris eine eigene Manufaktur, in der er verschiedene traditionelle und neue Instrumente herstellte, darunter die Saxhörner, die bis heute in Blasorchestern gebräuchlich sind. Er entwickelte kleinere und größere Saxophon-Modelle und konnte 1846 eine ganze Instrumentenfamilie mit acht Stimmlagen, vom Sopranino bis zum Subkontrabass, zum Patent anmelden. Am weitesten verbreitet sind heutzutage die vier Größen, die auch im Saxophonquartett vertreten sind: Sopran in B, Alt in Es, Tenor in B und Bariton in Es. Der tiefste Ton des Baritonsaxophons ist wie beim Violoncello das große C, während das Sopransaxophon ungefähr die Tonlage der Oboe hat.

Unermüdlich machte Sax Werbung für seine Instrumente. Er lud Komponisten ein und spielte ihnen vor, gründete ein eigenes Ensemble, später sogar einen Notenverlag. Der publizistische Erfolg blieb nicht aus; Hector Berlioz etwa schrieb mehrere Artikel, zuletzt in einem Nachtrag zu seiner berühmten Instrumentationslehre: „Diese dem Orchester neugewonnenen Stimmen haben seltene und wertvolle Eigenschaften. ... Beweglich und für rasche Passagen ebenso geeignet wie für religiöse und träumerische Harmonieeffekte, sind die Saxophone mit großem Vorteil in jeder Art von Musik verwendbar, namentlich aber in langsamen und zarten Stücken.“



Peter Sarkar / Partituren / Seite 82 / 10 2007

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Sabine Kulenkampff
von Sabine Kulenkampff am 07.02.2010 10:34 Uhr

Wunderbar informativ, ich hatte keine Ahnung von Sax. Danke!

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