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KLANGFARBE

Die wahre Königin der Instrumente
Eckhard Weber über die Laute

Sie gilt als das Klavier der Renaissance und des Frühbarock: Bis etwa 1700, bevor sie vom klangstärkeren Cembalo verdrängt wurde, war die Laute allgegenwärtig. Wenn sich in Bocaccios Decamerone die Edelleute zum Austausch ihrer Geschichten treffen, wird ein Tanzstück mit der Laute und Geige gespielt. In Cervantes’ Don Quijote erbittet sich der Protagonist eine Laute, um einem „bekümmerten Fräulein“ Trost zu spenden. Und in Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung muss selbst die kratzbürstige Katharina das Lautenspiel erlernen.

Für die Adeligen der Renaissance gehörte es zum guten Ton, das Spiel auf der Laute zu beherrschen. Kaiser Maximilian I., selbst bewandert darin, hat die Kunst des Lautenspiels in seinem Ritterroman Theuerdank als eine der wichtigen Fertigkeiten eines Edelmannes hervorgehoben. Die Laute galt als „regina omnium instrumentorum musicorum“, als „Königin aller Musik­instrumente“. Im Gegensatz zur Orgel, die oft auch mit diesem Titel belegt wurde, war die Laute flexibler und anpassungsfähiger im Ton und vor allem einfacher zu transportieren. Viele Lautenisten waren Wandermusiker, nur die Besten hatten feste Anstellungen an den Höfen, wo sie im Festsaal, im Garten oder in der Kammer ihre Kunst darboten.

„Al ud“ (das Holz) nannten die Mauren ihre Lauteninstrumente, die sie im 8. Jahrhundert während der Eroberung der Iberischen Halbinsel verbreiteten. Aus diesen Instrumenten hat sich im Süden Europas seit dem 13. Jahrhundert die europäische Laute entwickelt. Vor allem im spanischen Wort laúd für Laute ist die arabische Vorgängerin noch präsent. Viel früher, um 2000 v. Chr., waren schon bei den Babyloniern Langhalslauten bekannt. Vorläufer der chinesischen Laute pipa kamen um 1000 v. Chr. auf.
 

Intim und ätherisch

Die Laute, ein wahrhaft universelles Instrument: In der Renaissance wurde sie in fast allen Bereichen des Musiklebens eingesetzt. Auf der Laute konnte ein Meister einen vollständigen polyphonen Satz interpretieren. Und Liebhaber, dilettanti, waren in der Lage, schlichte Stücke wirkungsvoll zu Gehör zu bringen. Man spielte improvisierende Solostücke, Präludien, tientos und fantasias, Tanzsätze nach der Mode der Zeit und Bearbeitungen mehrstimmiger Vokalmusik. Unverzichtbar war die Laute zur Begleitung von Gesang, und sie fand Einsatz im Sprech- und Musiktheater. In England gab es während des Elisabethanischen Zeitalters, des „Golden Age“ von 1570 bis etwa 1620, eine unvergleichliche Blüte der Lautenmusik. Und seit dem Barock, als der akkordische Satz an die Stelle des mehrstimmigen Stimmgefüges trat, legte die Laute das harmonische Fundament im Orchester.

Die Zartheit des Lautenklangs, ihr Obertonreichtum hat etwas Intimes und gleichzeitig Ätherisches. Wie wohl nur die menschliche Stimme kann die Laute äußerst sensibel Emotionen zum Klingen bringen: „Dieser beseelte Klang geht direkt ins Herz“, sagt Frank Pschichholz, Lautenist aus Berlin. Das Geheimnis des besonderen Klangs ist ihr filigraner Bau: Der bauchige Korpus sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Laute verblüffend leicht ist. Ihr Gehäuse hat nur eine maximale Dicke von zwei Millimetern.



Eckhard Weber / Partituren / Seite 74 / 18 2008

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