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Straßburg

Götterdämmerung
Foto: Alain Kaiser
Raum für Musik schafft Regisseur David McVicar in seiner Straßburger «Götterdämmerung». Und den kann das erstklassige Solistenensemble unter Marko Letonja nutzen.

Beschreibung:
Jetzt ist er also doch noch fertig geworden, der Straßburger «Ring» – durch den Intendantenwechsel war die «Götterdämmerung» um ein Jahr verschoben worden. Aber die Pause hat dem Unternehmen nicht geschadet, sondern im Gegenteil: Nach dem eher enttäuschenden «Siegfried» findet dieser «Ring» in einer hochdramatischen, bildmächtigen «Götterdämmerung» zu einem starken Abschluss. Am Ende ist das sonst eher zurückhaltende Straßburger Publikum nach einem über fünfstündigen, packenden Musiktheaterabend völlig aus dem Häuschen und bejubelt minutenlang die Akteure. Leider wird der «Ring» nicht als Zyklus zu erleben sein. Eine Fahrt nach Straßburg beziehungsweise Mulhouse zu dieser «Götterdämmerung» muss man deshalb zeitnah planen.

Bewertung:
Der Erfolg hat in Straßburg viele Väter. Einer davon ist Marko Letonja, der am Pult des Orchestre philharmonique de Strasbourg einen starken Eindruck hinterlässt. In diesem kleinen Orchestergraben einen vernünftigen Wagner-Klang hinzubekommen, ist eine hohe Kunst, zumal die staubtrockene Akustik des Hauses Klangmischungen schwierig und jeden Patzer hörbar macht. Der frühere Basler Generalmusikdirektor nutzt jede Chance zur Dramatisierung. Mit seinen straffen Tempi hat er immer die Möglichkeit, Steigerungen schnell und effektvoll in Gang zu setzen.

Das exquisite Solistenensemble ist ein weiterer Erfolgsgarant. Lance Ryan gibt den Siegfried als wirklichen Jüngling. Sein heller, in der Höhe unglaublich beweglicher Tenor schafft eine ganz eigene Welt in dieser von dunklen Männerstimmen dominierten Gesellschaft. Mit der im Vergleich zum «Siegfried» deutlich verbesserten Jeanne-Michèle Charbonnet hat er eine starke Brünnhilde an seiner Seite, die auch in der Tiefe über genügend Reserven verfügt. Daniel Sumegi ist ein manchmal vielleicht eine Spur zu mächtig agierender Hagen. Auch Robert Bork (Gunther) und Oleg Bryjak (Alberich) verfügen über gewaltige Stimmen, die nie forciert werden müssen. Nancy Weissbach (Dritte Norn, Gutrune) und Hanne Fischer (Zweite Norn, Waltraute) verbinden Durchschlagskraft mit Legatokultur.

Foto: Alain KaiserFoto: Alain KaiserFoto: Alain KaiserFoto: Alain Kaiser
Auch wenn manche Einfälle des Regisseurs David McVicar unfreiwillige Komik entstehen lassen, wenn etwa David Greenes mit Sprungfedern und Kopfnicken Brünnhildes Pferd Grane zu mimen versucht oder die Samuraikrieger von Hagen (Kostüme: Jo van Schuppen) ein so gar nicht bedrohliches Tänzlein aufführen – insgesamt ist diese «Götterdämmerung» szenisch durchaus gelungen. Sie wird zwar nicht in die Interpretationsgeschichte eingehen, aber sie vermag es zumindest, der Musik den notwendigen Raum zu geben und einige eindrückliche Bilder zu schaffen. Und das ist in Zeiten des manchmal doch etwas zu verkopften Regietheaters ja nicht das Schlechteste.


28.02.2011 Georg Rudiger
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