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Aktuell

Stagedoor 2012
24.04.2012: Aktuelles aus der Welt der Oper. Von Sängerinnen und Sängern, Dirigenten, Kulturpolitik und vieles mehr.

JUBILARE

Die polnische Altistin Ewa Podles begann ihre Karriere 1982 an der Oper in Warschau. Aufgrund ihrer Koloraturfähigkeit und ihres männlich klingenden Timbres sang sie zunächst für Kastraten geschriebene Opernrollen in «Tancredi» von Gioachino Rossini, «Rinaldo» von Georg Friedrich Händel, «Orfeo ed Euridice» von Christoph Willibald Gluck und in «Semiramide» von Gioachino Rossini. Auch tiefe Frauenpartien wie die Erda in «Das Rheingold» von Richard Wagner oder die Ulrica in «Un ballo in maschera» von Giuseppe Verdi gehören zum Repertoire der Sängerin, deren Stimme drei Oktaven umfasst. Am 26. April feiert Ewa Podles ihren 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Er wurde 1962 im dänischen Ikast geboren und studierte am Musikinstitut Aarhus, an der Königlichen Opernakademie in Kopenhagen und in New York. Seine Karriere als Sänger begann Bo Skovhus 1988 in Wien an der Volksoper. Sein Repertoire umfasst Partien wie Don Giovanni, Graf Almaviva in «Le nozze di Figaro», Guglielmo in «Così fan tutte», Olivier und Graf in «Capriccio», der Barbier in «Die schweigsame Frau, Wozzeck, Hamlet, Billy Budd und Eugen Onegin, Jelezki in «Pique Dame», Danilo in «Die lustige Witwe», Eisenstein in «Die Fledermaus», Wolfram in «Tannhäuser», Kurwenal in «Tristan und Isolde», Amfortas in «Parsifal» sowie Frank und Fritz/Pierrot in «Die tote Stadt». Schwerpunkte seines Konzertrepertoires liegen bei den Werken von Gustav Mahler, den skandinavischen Kompositionen sowie z.B. bei Frank Martins «Jedermann»-Monologen und Zemlinskys «Lyrischer Sinfonie», die er zuletzt im Dezember 2011 mit der Staatskapelle Berlin unter Kirill Petrenko gesungen hat. Am 22. Mai feiert Bo Skovhus seinen 50. Geburtstag. Wir gratulieren!

Abschied
Er selbst bezeichnete sich einmal als «Kritiker, Dramaturg, Intendant und Bücherschreiber über Musik und Kunst». 1931 in Budapest in eine jüdische Familie hineingeboren, überlebte Ivan Nagel den Naziterror in einem Budapester Versteck, bevor er 1948 nach Zürich floh. Nach dem Studium in Paris, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo er u. a. Philosophie bei Theodor Adorno hörte, arbeitete Nagel zunächst als Theater- und Musikkritiker, bevor er von 1960 bis 1969 als Chefdramaturg der Münchner Kammerspiele tätig war. In den 1970er-Jahren wurde er zum Intendanten des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg ernannt, wo er mit Regisseuren wie Giorgio Strehler, Luc Bondy oder Peter Zadek zusammenarbeitete. 1981 ging Nagel als Korrespondent der FAZ nach New York, später wurde er Intendant des Staatsschauspiels Stuttgart und schließlich von 1989 bis 1996 Professor für Geschichte und Ästhetik der Darstellenden Künste 
an der Universität der Künste Berlin. Nach der deutschen Wiedervereinigung entwarf er für den Berliner Senat ein Konzept für die Neuordnung der hauptstädtischen Theaterlandschaft. Zu Nagels herausragenden Schriften zählt neben diversen kunsthistorischen und kulturpolitischen Werken sein in zahlreiche Sprachen übersetztes Buch «Autonomie und Gnade» über Mozarts Opern. Seit 2010 
erscheint sein Gesamtwerk im Suhrkamp Verlag. Wie dieser nun mitteilte, ist Ivan Nagel am vergangenen Ostermontag im Alter von 80 Jahren in Berlin verstorben.



Nur eine Woche vor seinem 90. Geburtstag (siehe OW 4/2012) ist der Dirigent Wolfgang Rennert am 24. März in Berlin verstorben.

Der Dirigent und Komponist Herbert Mogg war wohl die letzte Autorität für authentische Operettenaufführungen, vor allem der Wiener Operette. Am Wiener Raimundtheater (1977-1985) und am Münchner Gärtnerplatztheater (1987-1999) prägte er jeweils mehr als ein Jahrzehnt den Stil. Im Alter trat er vor allem bei den Bad Ischler Operettenfestspielen und danach im Schönbrunner 
Musik-Theater als Doyen der Leichten Muse hervor. Junge Künstler, Musiker, Sänger konnten viel von 
ihm lernen. Moggs Entdeckergeist ist es zu danken, dass in Schönbrunn etliche Operettenraritäten wieder erklangen: Nedbals «Winzerbraut», Oscar Straus' «Die Perlen der Cleopatra» oder Zellers «Obersteiger». Jetzt ist Herbert Mogg, 84 Jahre alt, in Athen gestorben. 


Er war ein Allround-Künstler, verband Wiener Schmäh mit großer Oper, trat als Entertainer und TV-Parodist auf und sang Wienerlieder:Sein Debüt gab der Bariton Heinz Holecek 1960 als Papageno in Mozarts «Zauberflöte» an der Seite von Renate Holm an seinem späteren Stammhaus, der Wiener Volksoper. Dem Publikum der Wiener Staatsoper stellte er sich 1962 mit derselben Partie vor und war dort bis 1992 unter anderem als Leporello in «Don Giovanni», Figaro in «Figaros Hochzeit» und Schaunard in «La Bohème» zu hören. Am 13. April, dem Tag seines 74. Geburtstages, ist Heinz Holecek in seiner Heimatstadt Wien gestorben. Bereits im Februar war er auf offener Straße mit Atem- und Kreislaufstillstand zusammengebrochen und hatte seitdem im Koma gelegen.

Sie wurde 1935 im bulgarischen Tscherwen Briag geboren, absolvierte eine Gesangsausbildung in Sofia und erlernte das Handwerk der Chorleiterin. Ihre Karriere als Mezzosopranistin und Altistin begann Margarita Lilowa 1962 mit einem Gastspiel in London, bevor sie im selben Jahr zu einem Vorsingen in der noch von Herbert von Karajan geführten Wiener Staatsoper antrat. Dort debütierte sie als Amneris in Verdis «Aida». Karajan holte sie als Schenkwirtin in Mussorgskys «Boris Godunow» später auch zu den Salzburger Festspielen. Zwischen 1963 und 1995 sang sie insgesamt 46 Partien in 1135 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper, darunter allein 143-mal die Marzellina in Mozarts «Le nozze di Figaro». 1984 erhielt Margarita Lilowa den Titel Kammersängerin. Der letzte ihrer so familiären Auftritte in «ihrem» Haus, der Wiener Staatsoper,  fand Mitte der 1990er-Jahre statt, als sie noch einmal die Stimme der Mutter in «Hoffmanns Erzählungen» übernahm. Am 13. April ist Margerita Lilowa in Wien 76-jährig einer langen, schweren Krankheit erlegen.

Meldungen



Das Motto «Menschliche Leidenschaften» zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm, das die Saison 2012/13 an Brüssels La Monnaie prägen wird. Komplexe Paarbeziehungen illustrieren Opern wie Pascal Dusapins «Passion» in der Regie von Sasha Waltz mit Barbara Hannigan und Georg Nigl (Premiere am 30. August 2012) ebenso wie Debussys «Pelléas et Mélisande» in der Regie von Pierre Audi und im Bühnenbild von Anish Kapoor (Premiere am 14. April 2013). DasProtagonistenpaar geben wechselweise Stéphane Degout und Sandrine Piau bzw. Topi Lehtipuu und Monica Bacelli. Als Highlight der neuen Saison kann die «la tra-vi-ata»-Trilogie mit ihren drei 
leidenschaftlichen Frauenporträts - Violetta, Lulu, Manon - gelten: Verdis «La Traviata» in der Regie von Andrea Breth und unter der musikalischen Leitung von Ádám Fischer geht im Dezember 2012 zwölfmal über die Bühne; zehn Vorstellungen von Bergs «Lulu» mit Barbara Hannigan bzw. Kerstin Avemo in der Titelrolle prägen den Oktober 2012. «Manon Lescaut» von Puccini folgt im Januar und Februar 2013: Carlo Rizzi dirigiert, Eva-Maria Westbroek (bzw. Amanda Echalaz) verkörpern die Titelpartie in der Inszenierung von Mariusz Trelinski. Das Opernprogramm wird durch konzertante Aufführungen von Werken ergänzt: Strauß' «Die Fledermaus» (19., 20., 22. Dezember 2012) und Gounods «Roméo et Juliette» mit John Osborne und Nino Machaidze in den Hauptrollen. Die Interpreten der Lied-Recitals der kommenden Saison sind Matthias Goerne, Albert Dohmen, Ian Bostridge, Julia Lezhneva und Waltraud Meier. Das komplette Spielzeitprogramm findet sich unter 
www.lamonnaie.be



Große Namen sowie Highlights abseits der gängigen Opernliteratur haben Staatsoperndirektor Dominique Meyer und GMD Franz Welser-Möst für die Saison 2012/13 an der Wiener Staatsoper 
angekündigt. Fünf Opernpremieren sind angesetzt: Auf Glucks «Alceste» (12. November 2012) in der 
Regie von Christof Loy mit Joseph Kaiser, Véronique Gens und dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Ivor Bolton folgt  Strauss' «Ariadne auf Naxos» (19. Dezember 2012) mit u. a. Krassimira Stoyanova, Peter Matic, Jochen Schmeckenbecher, Christine Schäfer und Stephen 
Gould in einer Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf; es dirigiert Franz Welser-Möst. Rossinis «La 
Cenerentola» mit Dmitry Korchak, Vito Priante, Alessandro Corbelli, Tara Erraught und Ildebrando 
D'Arcangelo hat am 26. Januar 2013 Premiere; es dirigiert Jesús López-Cobos, Sven-Eric Bechtolf 
zeichnet für die Regie verantwortlich. Am 28. April 2013 bringt Regisseur René Zisterer die Staatsopern-Erstaufführung von Henzes Kinderoper «Pollicino» im Großen Haus auf die Bühne: Die musikalische Leitung liegt bei Gerrit Prießnitz, es singen u. a. Alfred Sramek, Olga Bezsmertna, Andreas Hörl, Ulrike Helzel und Simina Ivan. Wagners «Tristan und Isolde» (13. Juni 2013), inszeniert 
von David McVicar, mit Franz Welser-Möst am Pult sowie mit Peter Seiffert, Stephen Milling, Nina 
Stemme, Tomasz Konieczny und Janina Baechle in den Hauptpartien beschließt den Reigen der 
Neuinszenierungen der Saison. Wiederaufgenommen werden Verdis «I vespri siciliani» (9. September 
2012), Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» (21. November 2012), Verdis «Aida» (14. März 
2013), Bergs «Wozzeck» (24. März 2013) und Donizettis «La Fille du régiment» (28. April 2013) sowie - in einer musikalischen Neueinstudierung - Strauss' «Capriccio» (20. Juni 2013) mit Renée Fleming, Bo Skovhus, Michael Schade, Markus Eiche, Kurt Rydl und Angelika Kirchschlager. Im A1 Kinderopernzelt auf der Dachterrasse der Wiener Staatsoper werden Hillers «Das Traumfresserchen» (16. September 2012) und Wagners «Die Feen» (24. Februar 2013) wiederaufgenommen.



Die Osterfestspiele Salzburg haben erste Programmschwerpunkte der neuen Ära des Künstlerischen Leiters Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden als neuem 
Orchester in Residence vorgestellt. Passend zum Wagner-Jubiläumsjahr werden die Osterfestspiele Salzburg am 23. März 2013 mit einer Neuinszenierung von «Parsifal» eröffnet. Auch der Sächsische Staatsopernchor Dresden feiert in dieser Neuinszenierung sein Debüt bei den 
Osterfestspielen. Beethoven, Brahms und Henze stehen im Zentrum des Konzertprogramms 2013. Im 
traditionellen Chorkonzert wird Christian Thielemann Brahms' «Ein deutsches Requiem» mit 
dem Chor des Bayerischen Rundfunks und den Solisten Christiane Karg und Michael Volle dirigieren. Die größte Neuerung im Programm der Osterfestspiele Salzburg bildet das Konzert für Salzburg. Es richtet sich als zusätzliches Konzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden in erster Linie an die Bevölkerung Salzburgs und der Umgebung. Die Ouvertüre zu Wagners «Tannhäuser» sowie das Vorspiel und «Isoldes Liebestod» aus «Tristan und Isolde» werden Verdis Ouvertüre zu «La forza del destino» sowie dem Vorspiel zu «La Traviata» gegenüberstehen.



Mit über 100 Veranstaltungen an mehr als 30 authentischen Spielorten finden vom 31. Mai bis zum 10. Juni die Händel-Festspiele Halle 2012 statt. Über 1000 Künstler aus aller Welt - darunter Philippe Jaroussky, Vesselina Kasarova, Ragna Schirmer, Jordi Savall, der RIAS Kammerchor, das L'Orfeo Barockorchester und Les Talens Lyriques mit Christophe Rousset - gestalten das Programm, dessen Schwerpunkt das Thema «Reformation und Musik» bilden wird. Im Eröffnungskonzert am 31. 
Mai  werden Bernarda Fink und das Händelfestspielorchester Halle unter der Leitung von Bernhard Forck Werke von Händel und seinen Zeitgenossen zu Gehör bringen. Ein weiteres Festkonzert am 3. Juni gestaltet die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova gemeinsam mit dem Helsinki Baroque Orchestra mit Werken von Händel, Ferrandini und Haydn. Neben sechs Oratorien  - The Messiah (1. Juni), La resurrezione (2., 3., 4. Juni), L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato (2. Juni), Il martirio di Santa Teodosia (3. Juni), Joshua (6. Juni) und Brockes-Passion (10. Juni) - werden drei verschiedene Musiktheaterwerke aufgeführt: «Alcina» nach der Hallischen Händel-Ausgabe in der Oper Halle (1., 3., 8. Juni) sowie «Terpsicore» (9., 10. Juni) unter der musikalischen Leitung von Christophe Rousset. Das vollständige Programm der Händel-Festspiele Halle 2012 findet sich unter: www.haendelfestspiele.halle.de



In der Saison 2012/13 ziehen sich die Begriffe «Macht» und «Spannungen» durch den Spielplan der 
Opéra de Lyon. Mit Verdis «Macbeth», der Eröffnungspremiere der Saison am 13. Oktober 2012, widmet sich Regisseur Ivo van Hove dem Thema «politische Spannungen». Es dirigiert Kazushi Ono. Geistliche Spannungen illustriert Händels Oratorium «The Messiah», inszeniert von Deborah Warner in einer Koproduktion mit der English National Opera unter der muskalischen Leitung des britischen 
Dirigenten Laurence Cummings (Premiere 3. Dezember 2012). Spannungen zwischen Mensch und 
Natur behandelt «Das schlaue Füchslein» von Janácek (Premiere am 21. Januar 2013), eine 
Wiederaufnahme der Inszenierung von André Engel aus dem Jahre 2000. Eine Neuinszenierung von Ullmanns Oper «Der Kaiser von Atlantis», entstanden 1943 in Theresienstadt, feiert am 12. Februar 2013 Premiere, bevor am 7. Mai 2013 ästhetische Spannungen zwischen Wort undMusik anhand von Strauss' «Capriccio» verhandelt werden (David Marton führt Regie, Bernhard Kontarsky hat die musikalische Leitung). Das alljährliche Festival der Opernsaison ist in diesem Jahr dem Thema «Recht/Unrecht» gewidmet und präsentiert u. a. Beethovens «Fidelio» sowie Dallapiccolas «Il prigioniero» und Schönbergs «Erwartung» (in der Regie von Alex Ollé von La Fura dels Baus).



Das 16. Opernfestival Gut Immling wartet vom 22. Juni bis zum 19. August mit fünf neuen 
Operninszenierungen, diversen Konzerten und einer Vielzahl weiterer musikalischer Events auf. Neben bekannten Opern wie Mozarts «Hochzeit des Figaro» in der Regie von Waltraud Lehner oder 
Verdis «Troubadour» mit Cornelia von Kerssenbrock am Pult und den Münchner Symphonikern im Graben ist die Weltpremiere von «Der Brandner Kasper - eine bairische Oper» geplant. Sie wird von Verena von Kerssenbrock inszeniert, die musikalische Leitung hat Cornelia von Kerssenbrock. Als «Geheimtipp» des diesjährigen Programms wird die Barockoper «Julius Cäsar» von Händel angekündigt: Die Rollen werden mit jungen Preisträgern des «Internationalen Lions Gesangswettbewerbes Gut Immling» besetzt. Begleitet werden sie vom ersten Barockorchester 
von Tiflis, der «Georgian Sinfonietta», deren junge Musiker zusammen mit Studenten des Mozarteums Salzburg den Kern des diesjährigen Festivalorchester bilden. Details zum Festivalprogrammm sind abrufbar unter www.gut-immling.de



Vom 8. August bis zum 15. September fragt das LUCERNE FESTIVAL in diesem Sommer nach dem 
Verhältnis von Musik und Glauben. Das musikalische Spektrum reicht von geistlichen Werken Bachs, Schuberts und Bruckners bis zu Mahlers Achter Sinfonie, von Mendelssohns «Reformationssinfonie» über Verdis Requiem bis zu Strawinskys «Psalmensinfonie» und Schönbergs Oper «Moses und Aron». Für die Sphäre der russisch-orthodoxen Kirche stehen die Werke von «composer-in-residence» Sofia Gubaidulina. Die Geschichte des Hiob, von Wilfried Hiller vertont, sowie Schönbergs Oper «Moses und Aron» repräsentieren die Sphäre des Judentums. Mit Namgyal Lhamo wurde eine Exponentin des tibetischen Buddhismus eingeladen, die «Wirbelnden Derwische» des Mevlevî-Ordens repräsentieren die islamische Mystik. Eine pantheistische Vision entwirft der Schweizer Willy Burkhard mit seinem Oratorium «Das Jahr», während Johann Sebastian Bach die lutherische 
Konfession vertritt und der Katholizismus in den Werken Olivier Messiaens und Anton Bruckners 
musikalisch seinen Niederschlag findet. Unter dem Aspekt «Letzte Werke, letzte Worte» rückt das 
Festival außerdem Kompositionen in den Blickpunkt, die an der Schwelle zu einer anderen Welt entstanden. Neben den drei berühmten Neunten Sinfonien von Beethoven, Bruckner und Mahler werden auch Beethovens späte Streichquartette und Klaviersonaten erklingen, dazu Bergs als Requiem gedachtes Violinkonzert sowie das Vorspiel zum dritten Aufzug und der Karfreitagszauber aus Wagners «Parsifal». Der Kartenverkauf beginnt im Internet am 16. April 2012 unter www.lucernefestival.ch. Dort findet sich auch das detaillierte Festivalprogramm.



Zum Wagner-Jahr 2013 startet das Staatstheater Nürnberg seine dritte vollständige «Ring»-Produktion. Ende November wird der Zyklus mit «Das Rheingold» eröffnet, noch in der gleichen Saison schließt sich «Die Walküre» an. «Siegfried» folgt in der Spielzeit 2014/15, bevor sich der Zyklus in der Saison 2015/16 mit der «Götterdämmerung» schließen soll. Die musikalische Leitung der Produktion liegt bei Generalmusikdirektor Marcus Bosch, es inszeniert Georg Schmidleitner. Für die Ausstattung zeichnet Stefan Brandtmayr verantwortlich.



Vom 12. bis 20. Mai 2012 findet in der Staatsoperette Dresden das 2. Johann Strauß Festival Dresden statt. Auf dem Programm stehen acht verschiedene Bühnenwerke von Johann Strauß, Jacques Offenbach und George Gershwin - darunter Wiederentdeckungen von Strauß-Operetten sowie Gershwins Dresden-Musical «Pardon My English». Das ausführliche Festivalprogramm findet sich auf der Internetseite www.staatsoperette-dresden. de



Das am 25. März 2012 zu Ende gegangene Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele, MaerzMusik, kann auf mehr als 10 000 Besucher und zahlreiche ausverkaufte Veranstaltungen 
zurückblicken. Über 50 internationale Künstler, darunter die Komponisten La MonteYoung, Bob Ashley, David Behrman, Alvin Lucier, Gordon Mumma, ferner die nachfolgende 
Komponistengeneration mit Elliott Sharp, Annie Gosfield und Tomomi Adachi sowie insgesamt zwölf Ensembles, darunter das Arditti Quartet, das SWR Sinfonieorchester Baden Baden und Freiburg, das Konzerthausorchester Berlin, das Remix Ensemble Porto sowie der RIAS Kammerchor waren zu Gast. Neun Tage lang hatten an verschiedenen Spielstätten in Berlin Werke von John Cage und Wolfgang Rihm im Fokus gestanden. Daneben standen dreizehn Uraufführungen, darunter sieben Auftragswerke von MaerzMusik, sowie eine europäische und fünf deutsche Erstaufführungen auf dem Programm. MaerzMusik 2013 findet im kommenden Jahr vom 15. bis 24. März statt.



Mit der letzten Live-Übertragung aus der Metropolitan Opera New York in dieser Saison am 
Karsamstag - Massenets Oper «Manon» mit Anna Netrebko in der Titelrolle - zeichnet sich ein neuer Rekord ab: Für die laufende Saison werden 200 000 Zuschauer erwartet, was eine Steigerung von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Bereits im Vorverkauf wurden weit über 30 000 Karten für Verdis «La Traviata» mit Natalie Dessay am 14. April 2012 verkauft. Auch in der kommenden Saison könnte der Ansturm auf die Kinosäle anhalten: Anna Netrebko wird mit Donizettis «L'elisir 
d'amore» am 13. Oktober 2012 die neue Saison eröffnen. Anlässlich des Verdi-Jahres 2013 wird 
es außerdem einen entsprechenden Schwerpunkt geben: Das Programm enthält Opern-Highlights wie «Otello», «Aida», «Rigoletto und «Un ballo in maschera». Alle Opern werden in HD-Qualität 
und mit 5.1 Dolby Surround Sound zu sehen und zu hören sein. Die Liste der teilnehmenden Kinos und weiterführende Informationen finden sich unter www.metimkino.de



Der Vorstand des Förderkreises und die Geschäftsführung des RIAS Jugendorchesters haben beschlossen, auf der Mitgliederversammlung am 25. April 2012 einen Antrag zur Auflösung des Klangkörpers einzubringen. Nach 65 Jahren zwinge Geldnot das Orchester zur Aufgabe. Das Berliner Orchester war 1948 vom «Rundfunk im Amerikanischen Sektor» (RIAS) gegründet worden. Der RIAS trug jahrzehntelang die Kosten. Nach der Wende reduzierte das Deutschlandradio die Zuschüsse, 
seit 2005 gab es gar kein Geld mehr vom Sender.



Die Wagner-Urenkelinnen Iris und Nike Wagner haben sich in die Debatte über angebliche Misswirtschaft eingeschaltet, die der Bayerische Oberste Rechnungshof dem weltbekannten Theaterbetrieb Anfang März vorgeworfen hatte. Die beiden Frauen plädieren für die Abschaffung des dynastischen Leitungsprinzips in Bayreuth und befürworten eine Festivalleitung aus familienfremden Fachleuten. «Da muss kein geborener Wagner dabei sein», erklärte die 69-Jährige Iris Wagner gegenüber dem Münchner Nachrichtenmagazin «Focus». Ihre Schwester Nike Wagner (66) verlangte darüberhinaus mehr Transparenz auf dem Grünen Hügel: «Ich möchte, dass diese Sachverhalte aufgeklärt werden. Die Geldangelegenheiten, die Kartenvergabe, das alles.» Iris und Nike Wagner sind die Cousinen von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, die die derzeitige Leitung der Wagner-Festspiele innehaben.

 

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat sein erstes Opernlibretto geschrieben. Er hat den Text für Jörg Widmanns Oper «Babylon» verfasst, die am 27. Oktober 2012 in der Bayerischen Staatsoper 
uraufgeführt werden soll. Die Oper sei «der Versuch einer Ehrenrettung Babylons», das durch die 
biblischen Geschichten sehr negativ belastet sei, sagte Widmann am Mittwoch bei der Vorstellung des Opernspielplans in München. «Babylon ist die Metapher für unsere Zeit.» Auf die Grundfrage 
«Wie klingt Babylon?», antwortete Widmann: «Wahrscheinlich gar nicht so anders als unsere Welt heute.» Bei der Uraufführung wird Kent Nagano am Pult stehen.



Der Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, Michael Sanderling, sieht sein Orchester bei 
langfristigem Verlust der angestammten Spielstätte Kulturpalast in seiner Existenz bedroht. Es würde zum Fiasko führen, das Orchester länger als drei Jahre auf Ausweichbühnen auftreten zu lassen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Hintergrund sind offene Fragen zum geplanten Umbau des Kulturpalastes. Das Projekt wird mit drei Jahren Bauzeit und mehr als 80 Millionen Euro veranschlagt. Davon fehlen etwa 35 Millionen Euro, weil zunächst eingeplante EU-Gelder nicht verwendet werden können. Sanderling hatte die Dresdner Philharmonie im Sommer 2011 übernommen und einen Vertrag für drei Jahre unterzeichnet.



Peter Dijkstra bleibt bis Ende August 2015 Künstlerischer Leiter des Chores des Bayerischen Rundfunks. Der Bayerische Rundfunk hat den Vertrag des 1978 geborenen Niederländers um 
drei Jahre verlängert.



Die gebürtige Wienerin Brigitte Fürle wird ab der Spielzeit 2013/14 neue Künstlerische Leiterin am 
Festspielhaus St. Pölten. Bereits in ihren bisherigen Funktionen hat Fürle prägende Akzente von internationaler Bedeutung gesetzt. Zuletzt machte sie zeitgenössische Tanzereignisse zu einem Schwerpunkt ihrer Programmarbeit: Unter ihrer sechsjährigen künstlerischen Leitung wurde die Theater- und Tanzsaison «spielzeit'europa» im Haus der Berliner Festspiele zu einem viel beachteten Highlight der Berliner Theaterszene mit internationaler Ausstrahlung. Als Programmkuratorin des Young Directors Project in Salzburg setzte sie auf Nachwuchskünstler, die bald europaweite Anerkennung fanden. Bei den Wiener Festwochen war sie als Programmkuratorin treibende Kraft für neue Theaterformen der legendären Halle G-Programme. Brigitte Fürle tritt die Nachfolge von Joachim Schloemer an, der sein Amt noch bis Juni 2013 bekleiden wird.



Der Künstlerische Produktionsleiter der Oper Frankfurt und designierte Operndirektor am 
Braunschweiger Staatstheater, Dirk Rehkessel, hat die Auflösung seines erst kürzlich 
unterzeichneten Braunschweiger Vertrags bekannt gegeben. Rehkessel, der für seine Entscheidung persönliche Gründe angab, hätte ab der Spielzeit 2012/13 seine Tätigkeit am Staatstheater Braunschweig aufnehmen sollen.



Mit Beginn der Spielzeit 2012/13 wird der 33-jährige US-Amerikaner James Gaffigan Erster 
Gastdirigent des Gürzenich-Orchesters Köln. Die neugeschaffene Position bei dem Kölner Traditionsorchester beinhaltet neben jährlichen Konzerten auch CD-Aufnahmeprojekte und 
Opernproduktionen an der Oper Köln. James Gaffigans internationale Karriere begann 2004 mit 
dem Gewinn des «Internationalen Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti» in Frankfurt.



Für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung auf dem Gebiet der Musik erhält der 
78-jährige polnische Komponist Krzysztof Penderecki am 7. Mai den Viadrina-Preis. Dieser ist mit 2500 Euro dotiert und wird seit 1999 verliehen.



Die Staatsoperette Dresden erhält mit dem 37-jährigen Andreas Schüller ab der Spielzeit 2013/14 einen neuen Chefdirigenten. Der geborene Berliner studierte an den beiden Musikhochschulen seiner Heimatstadt Horn, Klavier und Dirigieren. Unmittelbar nach dem Studium engagierte ihn die 
Volksoper Wien als Kapellmeister. Diesem Haus ist Schüller als Gastdirigent bis heute verbunden. Nach Engagements bei den Salzburger Festspielen und am Staatstheater Wiesbaden wechselte er 2008 an die Oper Leipzig, wo er als Erster Kapellmeister unter anderem mit Wagners «Holländer», Janáceks «Jenufa», Mozarts «Don Giovanni», einer Neuproduktion von Rossinis «Barbiere» sowie 
zahlreichen Ballettabenden zu erleben war.



Aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit als Erster Kapellmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle 
Schwerin ist der 31-jährige Daniel Huppert zum Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater berufen worden. Er löst den derzeitigen Amtsinhaber Matthias Foremny zum Beginn der Spielzeit 2012/13 ab. Daniel Huppert studierte Dirigieren und Violoncello sowie Musikwissenschaft und Germanistik in Weimar und Saarbrücken. 2010 gewann er den 2. Deutschen 
Operettenpreis für junge Dirigenten der Oper Leipzig und war Preisträger des Dirigentenwettbewerbs des MDR Sinfonieorchesters Leipzig. Von 2009 bis 2011 war Huppert Stipendiat des Dirigentenforums des Deutschen Musikrates.



Der derzeitige General Director der Garsington Opera, Anthony Whitworth-Jones, wird seinen Posten zum 31. Oktober 2012 niederlegen. Whitworth-Jones hatte das Amt  2005 nach dem unerwarteten Tod des Gründers der Garsington Opera, Leonard Ingrams, angetreten. Zurzeit wird nach einem neuen Künstlerischen Direktor von internationalem Format gesucht.



Der Künstlerische Leiter der Ruhrtriennale 2012/2013/2014, Heiner Goebbels, erhält den von 
der norwegischen Regierung geförderten International Ibsen Award. Der Preis ist mit umgerechnet 330 000 Euro dotiert und gilt als einer der wichtigsten Theaterpreise weltweit. Goebbels habe die Theaterwelt um eine neue künstlerische Dimension bereichert und mit seinen Werken «die Kunstwahrnehmung des Publikums verändert und bei zahlreichen Künstlern entscheidende Wirkung hinterlassen», heißt es in der Begründung der Jury unter Vorsitz von Per Boye-Hansen. Der Preis wird auf dem Internationalen Ibsen-Festival verliehen, das vom 23. August bis 9. September im Nationaltheater in Oslo stattfindet. Bisherige Preisträger sind Peter Brook, Ariane Mnouchkine und Jon Fosse.



Der gebürtige Österreicher Alexander Steinitz wird ab der kommenden Spielzeit Erster 
Kapellmeister am Theater Krefeld und Mönchengladbach.1967 in Salzburg geboren, wirkte 
Steinitz nach dem Studium der Fächer Dirigieren, Musiktheorie und Komposition in Wien und einem 
Aufbaustudium an der Yale University in den USA an zahlreichen Operhäusern im deutschsprachigen 
Raum, etwa an der Wiener Volksoper, am Staatstheater Saarbrücken und am Opernhaus Chemnitz. Seit 2009 ist Steinitz Erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor der Hofkapelle am Staatstheater Meiningen.

Der russische Dirigent Kirill Petrenko wird den «Ring des Nibelungen» bei den Bayreuther Festspielen im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Inszeniert wird der Jubiläums-«Ring» vom Intendanten der Berliner Volksbühne, Frank Castorf. Petrenko war von 1999 bis 2002 Generalmusikdirektor am traditionsreichen Staatstheater in Meiningen in Thüringen. Dort hatte er laut Festspielleitung 2001 mit seinem Dirigat des «Rings» internationales Aufsehen erregt. Zwischen 2002 bis 2007 war Petrenko Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin. Von September 2013 an wird er Nachfolger von Generalmusikdirektor Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper in München.

Vom 1. Juni bis zum 1. September 2012 begibt sich der Bundeswettbewerb Gesang wieder auf die Suche nach neuen Talenten. In diesem Jahr ist der renommierte Gesangswettbewerb im Bereich Oper/Operette/Konzert ausgeschrieben. Den Finalisten winken mit bis zu 10 000 Euro dotierte Preise. Außerdem können sie in einer großen Gala am 26. November in der Komischen Oper Berlin ihr Können vor Jury, Publikum und Talentscouts unter Beweis stellen. Moderiert wird das Konzert von Annette Dasch, zur Jury gehören Simone Kermes, Deborah Polaski, Dagmar Schellenberger, Axel Köhler und Michael Volle, sowie Operndirektoren, Dirigenten und Medienvertreter. Schirmherr des Wettbewerbs, der in jährlichem Wechsel in den Kategorien Oper/Operette/Konzert bzw. Musical/Chanson ausgeschrieben wird, ist Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit. Das Preisgeld beträgt insgesamt rund 50 000 Euro. Ab sofort sind die Teilnahmebedingungen auf der Internetseite www.bwgesang.de zu finden.

In Berlin hat sich erstmals eine spartenübergreifende Koalition der Freien Szene gebildet, die Ideen und Vorschläge bündelt, welche unterschiedliche Netzwerke, Initiativen, Verbände, Gruppen und Einzelpersonen aller Künste für eine neue Kulturpolitik in Berlin entwickeln. In einem offenen Brief haben über 60 prominente Unterzeichner die Berliner Kulturförderpraxis kritisiert und eine «neue Kulturpolitik» entworfen. Seit der Veröffentlichung eines Offenen Briefes an die Stadt Berlin am 12. März haben bereits mehr als 2 000 Unterstützer die Petition unterzeichnet, darunter zahlreiche Persönlichkeiten des Berliner Kulturlebens. Auch eine erste Reaktion der Politik ist erfolgt: In der Sitzung des Kulturausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses am 26. März 2012 wurde der Beschluss gefasst, die Mittel für freie Strukturen nochmals um die zusätzliche Summe von einer Million Euro jährlich anzuheben. Die Koalition der Freien Szene fordert eine Erhöhung der disponiblen Mittel im Kulturhaushalt von aktuell fünf auf zukünftig zehn Prozent, das entspricht einer Verdopplung von 20 auf 40 Millionen Euro. Die Koalition der Freien Szene spricht sich ferner vehement gegen Vorschläge zur Schließung von Kultureinrichtungen aus. Aktuelle Informationen finden sich auf der Internetseite www.berlinvisit.org.

Der Vorstand des Förderkreises und die Geschäftsführung des renommierten RIAS Jugendorchesters hat beschlossen, bei der nächsten Mitgliederversammlung am 25. April 2012 einen Antrag zur Auflösung des Klangkörpers einzubringen. Nach 65 Jahren zwinge Geldnot das Orchester zur Aufgabe. Das Berliner Orchester war 1948 vom «Rundfunk im Amerikanischen Sektor» (RIAS) gegründet worden. Der RIAS trug jahrzehntelang die Kosten. Nach der Wende reduzierte das Deutschlandradio die Zuschüsse, seit 2005 gab es gar kein Geld mehr vom Sender. Das Orchester versuchte, durch Gastspiele und Seminare selbst zu seiner Finanzierung beizutragen, was letztlich für einen dauerhaften Betrieb aber nicht ausgereicht habe, hieß es. Im Jugendorchester musizierten Musikstudierende aller deutschen und vieler europäischer Hochschulen und Akademien.

Der Vertrag des Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, soll bis 2018 verlängert werden. Bachler ist seit 2008 Intendant der Staatsoper, sein derzeitiger Vertrag läuft bis zum August 2013. Die Koloratursopranistin Edita Gruberova, mit der Bachler seit Februar im Zwist liegt, soll nach seinem Willen auch in Zukunft eine künstlerische Heimat an der Bayerischen Staatsoper haben. Gruberova hatte bereits im Februar bekräftigt, am 27. Juli 2014 zum letzten Mal an der Bayerischen Staatsoper singen zu wollen. Ihren Abschied hatte Gruberova damit begründet, dass sie vom Haus keine neuen Rollenangebote mehr bekomme und die Zahl ihrer Auftritte beständig reduziert werde. In der Pressekonferenz zur Vorstellung der kommenden Spielzeit hatte Bachler jedoch mitgeteilt, dass Gruberova für 2015 bereits Auftritte in Repertoirevorstellungen und den Opernfestspielen vertraglich fixiert habe. Bachler bedauerte den öffentlichen Zwist: «Ich hoffe, wir können sie umstimmen, und werde die verabredeten Daten freihalten.» (siehe OW 05/2012)

Zum siebten Mal vergibt das Luzerner Theater am 5. Mai 2012 den in Europa einzigartigen internationalen Mode- und Theaterförderpreis «Prix Juste-au-Corps». Mit dem Wettbewerb schlägt das Luzerner Theater eine Brücke zwischen Mode und Theater und gibt jungen Designern einen Einblick in den Beruf des Kostümbildners. Die diesjährige Aufgabe für die Teilnehmer bestand darin, Figuren aus Ralph Benatzkys Singspiel «Im weißen Rössl» neu zu gestalten. Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden fünf Finalisten nominiert, die im Rahmen der Galaveranstaltung ihre Kostümentwürfe einer internationalen Fachjury und der Öffentlichkeit vorstellen werden. Als Hauptpreis «Prix Juste-au-Corps» winkt ein Vertrag für ein Kostümbild am Luzerner Theater mit einem Honorar in Höhe von CHF 10 000, als Publikumspreis, der ebenfalls vergeben wird, ein Praktikum an der Deutschen Oper Berlin.

Bereits im Februar hatte die Intendantin des Nationaltheaters Mannheim, Regula Gerber, mitteilen lassen, dass sie sich seit Dezember 2011 wegen eines Burnout-Syndroms in ärztlicher Behandlung befindet. Nun hat die 53-Jährige die Inszenierung der Oper «Beatrice Cenci» von Berthold Goldschmidt an der Oper Dortmund abgesagt. An ihrer Stelle wird der Film- und Theaterregisseur Johannes Schmid die Regie übernehmen – nach dem Konzept von Regula Gerber, die das Nationaltheater seit 2004 leitet. Johannes Schmids jüngster Kinofilm «Wintertochter» ist jüngst für den Deutschen Filmpreis nominiert worden.

Die EU hat eine Förderung der «Europastraße Historische Theater» für die nächsten vier Jahre bewilligt. Diese ist ein Projekt  der 2003 gegründeten «Gesellschaft der historischen Theater Europas (PERSPECTIV)», die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sehens- und erhaltenswerte historische Theater einer interessierten Öffentlichkeit näher zu bringen. In Deutschland reicht die Europastraße von Putbus auf Rügen über Bayreuth und Hanau bis nach Koblenz. Neben der Deutschland-Route bestehen die Nordische Route (Skandinavien), die Ärmelkanal-Route (Großbritannien, Niederlande und Belgien) und die Italien-Route. Bis 2016 soll diese kulturtouristische Straße 120 ausgewählte historische Theater von Portugal bis Russland und von Schweden bis Malta miteinander verbinden. Interessenten können sich ihre Reiseroute individuell zusammenstellen. Außerdem bieten Reiseunternehmen wie «Studiosus Reisen» und «Stewa Studienreisen» zu den Theatern entlang der Deutschland-Route an. Die weitere finanzielle Unterstützung der Europäischen Union ermöglicht PERSPECTIV den Auf- und Ausbau von insgesamt 11 Theaterrouten in ganz Europa sowie die Entwicklung einer Wanderausstellung «Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern», die gemeinsam mit Theatermuseen aus sechs Ländern konzipiert wird und ab 2014 durch Europa tourt. Informationen zu den Routen und dem Programm sind unter www.europastrasse.info zu finden.

Im Zuge der Debatte um Kulturförderung hat sich nun auch der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim zu Wort gemeldet. Er teilte der Deutschen Presseagentur mit, dass das Problem nicht in Subventionen für Theater und Orchester bestehe, sondern dass nicht genug in kulturelle Ausbildung investiert werde. Viel mehr Menschen würden ins Theater oder in Konzerte gehen, «wenn wir eine bessere musikalische Erziehung hätten». So aber bleibe die Musik «in einem Elfenbeinturm», sagte Barenboim. «Unsere einzige Chance ist, das radikal zu ändern. Dazu gehört aber politischer Wille.» Die Debatte über die Kulturförderung hatte sich an dem Buch «Der Kulturinfarkt» entzündet, in dem die Autoren mit ihrem Gedankenspiel, die Zahl der Theater und Museen in Deutschland zu halbieren und stärker auf private Beteiligung zu setzen, eine Protestwelle in der Kunstszene ausgelöst hatten.

In Gasteig findet vom 30. Mai bis 2. Juni 2012 erstmals die Classical:NEXT statt, ein jährliches Forum für Tradition und Innovation in der klassischen Musik, das vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München gefördert wird. Es handelt sich dabei nicht nur um einen Branchentreff mit mehr als 450 professionellen Delegierten aus aller Welt, sondern auch ein öffentliches Klassik-Festival für neue Formen und Talente. Die Erstausgabe von Classical:NEXT bietet dem Publikum einen Konzertabend mit außergewöhnlichen Ensembles internationaler Besetzungen sowie ein Filmprogramm. Auf einer Pressekonferenz am  17. April 2012 stellte Jennifer Dautermann, die Direktorin der Classical:NEXT, gemeinsam mit Kollegen das neue internationale Klassik-Forum und Festival vor.

Am 17. März 2012 haben die Mitglieder der Telemann-Gesellschaft e.V. in ihrer Jahresversammlung in Magdeburg ein neues Präsidium gewählt. Der diesjährige Telemann-Preisträger der Landeshauptstadt Magdeburg, Siegfried Pank, ist neuer Präsident der Gesellschaft, Pfarrer Jochen Voigt wurde zum Vizepräsidenten gewählt. Bestätigt in ihren Ämtern wurden Carsten Lange als geschäftsführendes Präsidiumsmitglied sowie Brit Reipsch und Wolfgang Hirschmann als Beisitzer. András Székely, der die internationale Gesellschaft 15 Jahre lang als Präsident geführt hatte, und Wolf Hobohm, 1991 Gründungsmitglied und seither Vizepräsident der Gesellschaft, wurden aufgrund ihrer Verdienste für die internationale Vernetzung der Gesellschaft sowie die Etablierung des Internationalen Telemann-Wettbewerbs in Magdeburg einstimmig zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft berufen.

Am 31. Mai 2012 wäre Alfred Deller, der erste wieder solistisch auftretende Countertenor des 20. Jahrhunderts, 100 Jahre alt geworden. Der gebürtige Engländer Deller, der 1979 auf einer Urlaubsreise in Bologna verstarb, sang zuerst als Knabensopran und hatte 1948 seinen ersten Soloauftritt in London. Um 1950 gründete er das Deller-Consort, ein Vokalensemble, das sich mehr als 20 Jahre lang der frühen englischen Musik widmete. Dellers Repertoire umfasste daneben auch Kastratenpartien, etwa in Händel-Opern.

Ein kürzlich auf einem Tiroler Dachboden entdecktes unbekanntes Klavierstück, das Musikwissenschaftler Wolfgang Amadeus Mozart zuschreiben, ist am 23. März in Salzburg präsentiert und vorgespielt worden. Das 84 Takte umfassende Allegro molto soll Mozart um das Jahr 1767, also etwa im Alter von elf Jahren, geschrieben haben. Nach weiterführenden Prüfungen soll der Sonatensatz ins Köchelverzeichnis von Mozarts Gesamtwerk integriert werden.

Die Mezzosopranistin J’nai Bridges hat den Marian Anderson Award 2012 vom Kennedy Center for the Performing Arts verliehen bekommen. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 15 000 US-Dollar dotiert. Nach ihrem Abschluss am Curtis Institute of Music wird sich J’nai Bridges der Lyric Opera of Chicago anschließen und während der Spielzeit 2012/13 in Produktionen von «Elektra», «Simon Boccangegra», «Rigoletto», «Così fan tutte» und «Le nozze di Figaro» auftreten.

Wie aus informierten Kreisen verlautet, soll Daniel Barenboim im Dezember 2014 die musikalische Leitung einer «Fidelio»-Neuinszenierung an der Mailänder Scala übernehmen. Zunächst jedoch wird der Intendant der Berliner Staatsoper zum Wagner-Jubiläum im kommenden Jahr einen kompletten «Ring des Nibelungen» in der Inszenierung des Belgiers Guy Cassiers dirigieren. Die Tetralogie, von der bereits Das «Rheingold» und «Die Walküre» auf die Bühne kamen, ist eine Kooperation mit der Mailänder Scala, wo Barenboim ebenfalls Musikalischer Leiter ist.

Die Verwertungsgesellschaft für musikalische Aufführungsrechte, Gema, hat ihre neue Tarifstruktur vorgestellt. Danach müssen Träger von kleineren Musikveranstaltungen ab 2013 geringere Gema-Gebühren zahlen, während große Konzerne stärker zur Kasse gebeten werden sollen. Die Gebühren richten sich fortan nur noch nach den Faktoren  Veranstaltungsgröße und Höhe des Eintrittsgeldes. Insgesamt würden, so Gema-Vorstandsmitglied Georg Oeller, 60 Prozent aller Veranstaltungen wirtschaftlich entlastet.

Die Oper Leipzig und Tobias Kratzer, Regisseur der Produktion «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» von Kurt Weill, haben ihre Zusammenarbeit aus künstlerischen Gründen in beiderseitigem Einvernehmen beendet. Der Termin der Premiere zur Produktion «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» am 28. April 2012 bleibt davon jedoch unberührt. Für die kurzfristige Übernahme der Produktion konnte die Oper Leipzig die Regisseurin Kerstin Polenske verpflichten, die im Sommer vergangenen Jahres bereits mit Kurt Weills «One Touch of Venus» am Leipziger Haus reüssiert hatte.

Das Label für neue Musik, WERGO, das sich auf ein Programm zeitgenössischer Musik in anspruchsvollen Präsentationsformen spezialisiert hat, feiert im Mai 2012 sein 50-jähriges Jubiläum. Neben solistischen, kammermusikalischen und orchestralen Einspielungen der neuen Musik bietet das Label auch Veröffentlichungen von Werken der elektronischen Musik, der unter dem Begriff Ars Acustica firmierenden radiofonen Formen und der neueren Entwicklungen, die sich zwischen den Künsten abspielen. In besonderer Weise nimmt sich WERGO zudem der Dokumentation der vielfältigen aktuellen wie historisch gewordenen weltmusikalischen Erscheinungen und der Dokumentation jüdischer Lebenswelten an. Unter dem Dach von WERGO sind verschiedene Serien und Sublabels vereint.



19.01.2012

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