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Porträt

Der politische Bruder
Bild: Briefmarke der Deutschen Post der DDR

Mit einiger Regelmäßigkeit diskutieren Feuilleton und Wissenschaft kuriose Alternativen der deutschen Geistesgeschichte: Kant oder Hegel, Mozart oder Beethoven, Heinrich oder Thomas? Und auch wenn sich über die Jahre meist ein ewiger Sieger etabliert hat, finden sich auch immer Befürworter und gute Argumente für den tendenziellen Verlierer. Im Fall des ungleichen Bruderpaars stehen - auf politischer Ebene - mitunter blinder Idealismus (Heinrich) gegen bisweilen schwärmerischen Skeptizismus (Thomas).

Auf literarischer Ebene gilt Thomas Mann ziemlich unangefochten als größerer Künstler - spätestens seit ihm 1929 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Zu dieser Zeit hatte der ältere Bruder seine zwei bekanntesten Romane verfasst: «Professor Unrat» (1905), der epochemachend unter dem Titel «Der blaue Engel» (1930) verfilmt wurde, und «Der Untertan» (1918), eine bissige Satire auf das Bürgertum des Wilhelminismus, in dem Heinrich Mann den Ungeist analysierte, der zum Ersten Weltkriegs führte.

In dieser Zeit schien er die größere Weitsich zu haben als Bruder Thomas, der sich kriegsbegeistert und «unpolitisch» zeigte. 1915 kam es deswegen zum Zerwürfnis der beiden, das immerhin sieben Jahre andauerte - bis der jüngere seine Haltung allmählich revidierte. Auch nach Hitlers Machtergreifung war Heinrich fünf Jahre schneller im Exil als Thomas: zunächst ließ er sich in Frankreich nieder. Hier kam es zu einem drastischen Desillusionierungsprozess, wie die Kulturwissenschaftlerin Claudia Schmölders unter anderem in einem Artikel für «Literaturen» schrieb:

Das Buddenbrookhaus begleitet den Bundesstart des Films «Henri 4» mit einer Ausstellung, in der Requisiten des Films und Dokumente des «Making Off» mit Exponaten aus dem Entstehungskontext der Henri-Romane von Heinrich Mann präsentiert werden.

Öffnungszeiten: täglich, 11 bis 17 Uhr. Ab .1. April täglich 10 bis 18 Uhr.

Dauer: 11. März  bis 18. April

«Nicht in den schwärzesten Stunden hätte er sich vorstellen können, dass die verhassten Deutschen ihm binnen weniger Monate sämtliche Ideale zerschlagen könnten, mit denen er seine moralische Existenz begründet hatte. Als da wären: das Bild einer makellosen Sowjetunion, die unerschütterlich am Weltreich des gerechten Daseins arbeitete; sein Idol einer Gründungsnation der Menschenrechte und volkstümlichen Geistigkeit namens Frankreich; schließlich die Hoffnung auf ein strahlendes Europa, wie er sie seit 1914 hegte. Alle drei Seelengeschöpfe wurden von Hitler zertreten, schlimmer noch, korrumpiert.»

Nachdem sein Lebenswerk, der Angriff auf die Nazi-Ideologie in Form einer Biografie von «Henri IV», 1938 abgeschlossen war, verarbeitete Heinrich seine große Enttäuschung in seinem Kriegstagebuch. Teile davon finden sich in der Autobiografie «Ein Zeitalter wird besichtigt» wieder. Die Memoiren sollten Heinrich Manns größte Veröffentlichung werden: Er starb im kalifornischen Exil, bevor er nach Deutschland zurückkehren konnte, wo ihn die Akademie der Künste in Ost-Berlin zum Präsidenten gewählt hatte.


09.03.2010 Hanno Depner

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