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Rezension

Glückliches Staunen

Das erste Stichwort ist «Adel», das letzte ein kurzes Prosastück des 24-jährigen Proust mit dem Titel «Zum Diner geladene Gäste», und dazwischen liegen hunderte andere zu Leben, Werk, Wirkung und Deutung Marcel Prousts und seines Werks, wie der Titel der 2004 bei Honoré Champion erschienenen und jetzt von Luzius Keller auch auf Deutsch vorgelegten «Marcel Proust Enzyklopädie» verspricht.

Dieses tausendseitige Lexikon ist jedoch nicht nur die Übersetzung des «Dictionnaire Marcel Proust», das von Annick Bouillaguet und Brian G. Rogers herausgegeben wurde, sondern seine kritische Durchsicht. Nicht nur wurden alle Seitenangaben, die sich auf das Werk Prousts beziehen, für den deutschen Leser der Frankfurter Werkausgabe, die ebenfalls von Luzius Keller betreut wurde und seit 2007 vollständig vorliegt, umgestellt, so dass man jederzeit an Ort und Stelle nach- und weiterlesen kann, die deutsche Ausgabe wurde auch um neue Forschungsergebnisse und eine Reihe von Einträgen ergänzt.

Und darin finden sich nun Artikel zu Orten, an denen Proust gelebt, und Orten, die er für seinen Roman erschaffen hat, zu realen Personen und zu Figuren seines Werks, zu Schriftstellern und Dichtern, Malern und Bildhauern, Musikern und Komponisten, Philosophen und Politikern und ihren Werken, zu Zeitströmungen und Ereignissen, zum Ersten Weltkrieg, zu Weißdorn, Eifersucht und natürlich der Madeleine, zu Themen und Namen also, die Prousts Werk durchziehen, und auch zur Proust-Kritik und weltweiten Rezeption.

Und zu Dingen des Alltags, die im Werk eine gewichtige Rolle spielen, wie Automobil und Telefon – oder auch das Fahrrad, dieses Attribut der weiblichen Hauptfigur Albertine, die in der Schar der Mädchen von Balbec als Einzige mit dem damals noch jungen und, was die Schicklichkeit der Benutzung durch Frauen anlangte, höchst umstrittenen Fortbewegungsmittel auftritt. Es ist Zeichen ihrer Unabhängigkeit und Unangreifbarkeit – so untrennbar von ihr, dass später, nach ihrem tödlichen Unfall, in der Reihe der Erinnerungsbilder dem Erzähler das von «Albertine mit dem Fahrrad» zuerst erscheint.


Bettina Hartz

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