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Wunderbarer Buchsalon 3
Foto: Kieser
Leserinnen und Leser schlagen ihre Lieblings-Buchhandlung vor – Buchhändlerinnen und Buchhändler erzählen von ihrem «Wunderbaren Buchsalon»
Vorschlag von Juliane Stegner:

Meine Lieblings-Buchhandlung heißt nach ihrem Besitzer: «Kieser». Ich kaufe dort seit etwa
acht Jahren. Ich stieß auf den Laden zu einer Zeit, als ich mich beruflich überwiegend in Indien aufhielt und mir der Bezug zur deutschen Gegenwartsliteratur nur noch über Listen zugänglich war und Informationen zu Literaturen anderer Länder in deutscher Übersetzung überhaupt nicht mehr – auch der «menschliche Bezug» zum Buch war mir abhanden gekommen. Bei «Kieser» gibt es noch richtige Buchhändler, die ihren Bestand und ihre Bücher kennen, die einem Empfehlungen geben und beurteilen können, was gute Literatur ausmacht. Mit dem Chef kann man sich auch über Autoren unterhalten, denn bei «Kieser» werden Lesungen veranstaltet; außerdem gibt es eine wunderbare Auswahl an Reiseliteratur, so habe ich Nicolas Bouvier, Ella Maillart und Patrick Leigh Fermor entdeckt. Außerdem finden sich Kinderbücher, Kochbücher und eine ausgezeichnete Abteilung Geschichte, Philosophie und Politik – und es herrscht eine wunderbare Atmosphäre. Immer ist jemand da, der einem hilft, mit einem diskutiert oder einen einfach stöbern lässt.

Mein wunderbarer Buchsalon - Die «Literaturen»-Serie zur Lieblingsbuchhandlung.

Teil 1: 
Buchladen Bayerischer Platz, Berlin

Teil 2: 
andere buchhandlung, Rostock

Nominieren Sie Ihren Lieblingsbuchladen und schicken Sie Ihren Vorschlag an redaktion@literaturen.de

Cornelius Kieser über seine Buchhandlung:

Eigentlich hat unsere Buchhandlung keine besondere Geschichte. Mein Bruder Christoph und ich haben sie im Mai 1983 gegründet, und das Geschäft hat über die Jahre alles in allem auch sehr gut funktioniert – nicht zuletzt, weil wir hervorragende Mitarbeiter haben, von denen einige schon viele Jahre bei uns sind. Dass wir Buchhändler geworden sind, hat sicher mit familiärer Prägung zu tun: Unsere Mutter war Buchhändlerin.
Ich selbst lese vorwiegend Belletristik. Um hier eine Richtung anzugeben, will ich aus der deutschen Gegenwartsliteratur nur zwei Beispiele nennen: Brigitte Kronauer und Ulrike Draesner schätze ich sehr. Zwei der fremdsprachigen Autoren, die ich besonders gern lese, sind Philip Roth und Andrew Miller. Vom Sortiment anderer Buchhandlungen unterscheidet sich die unsere vielleicht insbeson­dere durch die Abteilungen «Klassiker» und «Kunst». Den typischen Kunden dagegen könnte ich nicht beschreiben – es gibt ihn nicht, zumindest nicht bei uns. Das Spannende ist ja gerade, dass die unterschiedlichsten Menschen zu uns kommen, und sie haben sehr verschiedene Wünsche. Wir sind dann doch eine typische Kleinstadt-Buchhandlung, in der es zum überwiegenden Teil nicht um das Hehre und Schöne geht, sondern um Bücher für den alltäglichen Bedarf.
Sollte es diese Buchhandlung auch in zehn Jahren noch geben, dann nur, weil wir versuchen, uns von anderen zu unterscheiden – zum Beispiel führen wir auch Kleinverlage. Insgesamt haben wir es bis heute geschafft, uns unsere Begeisterung zu erhalten und können sie im einen oder anderen Fall auch weitergeben. Unterstützung erfahren wir dabei immer wieder durch die Verlage und durch die Verlagsvertreter. Gerade heute etwa ist die Druckfahne eines Romans bei uns angekommen, der in diesem Herbst erscheinen wird – genau, wie wir es uns vom Verlag gewünscht hatten.

 

Buchhandlung Kieser
Geschäftsführer Cornelius und Christoph Kieser
Carl Theodor-Straße 4–6
68723 Schwetzingen
www.buchhandlung-kieser.de


/ Literaturen / Seite 100 / 4 2010

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