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Uwe Rada

Die Memel
Die Brücke von Tilsit.
Drei Länder und nahezu tausend Kilometer bewältigt die Memel zwischen ihrer Quelle und ihrer Mündung im ehemaligen Ostpreußen. In seinem neuen Buch schildert Uwe Rada den enormen kulturellen und historischen Reichtum dieses europäischen Stromes.

Beschreibung:
Wer macht sich schon die Mühe oder das Vergnügen, einen Fluss hinauf- oder hinabzufahren? Nur wenige Flüsse genießen diese Aufmerksamkeit: Rhein, Mississippi, Donau. Meistens werden die Flüsse, die natürliche Grenzen und Handelsstraßen sind, lediglich überquert, oder man wendet ihnen gar den Rücken zu, denn auf der anderen Seite wohnen fremde Menschen, die eine fremde Sprache sprechen. Die Memel ist so ein Fluss, von dem wir wenig wissen und den wir nicht befahren. Und dabei ist sie einer der «Schicksalsflüsse» der Deutschen, ein Mythos, den ein negativer Nimbus umgibt, wird sie doch als eine der Außengrenzen im «Deutschlandlied» genannt, in der ersten Strophe, die nicht Teil der Nationalhymne ist und nicht gesungen werden darf.

Aber was wissen wir über diesen Strom, über seine Quelle, seinen Verlauf, die Städte, die an ihm liegen, die Menschen, die an seinen Ufern leben? Mit der Westausrichtung der Bundesrepublik nach 1945 und der nochmaligen Verstärkung der Orientierung nach Westen, dann auch der neuen Bundesländer, nach dem Mauerfall, ist die Memel, wie Uwe Rada ihn in seiner Kulturgeschichte des Flusses nennt, zu einem «verlorenen Strom» geworden. Damit meint er zum einen das Handgreiflich-Geographische, wurden doch die Deutschen, die dort 800 Jahre lang gelebt hatten, vertrieben und gehört das Memelland nun schon seit 65 Jahren nicht mehr zum deutschen Staatsgebiet. Zum anderen aber, und darum geht es Rada in seinem Buch ganz eigentlich, sind es die Geschichten und die Geschichte, die mit dem Fluss und den Landschaften, durch die er fließt, verbunden, aber inzwischen aus dem kollektiven Gedächtnis geschwunden sind.

Bewertung:
Radas Buch, das dem Fluss als ein river-movie von seiner Quelle bei Minsk bis zur Mündung ins Kurische Haff folgt, ist da wie eine Schatzkiste. In ihr sind die kleinen privaten Geschichten der Flößer und Flussschiffer gesammelt, aber auch die große Geschichte, die vom konfliktreichen, oft blutigen Zusammenleben der Deutschen, Litauer, Polen, Weißrussen und Juden an beiden Ufern bestimmt wurde. Eine Schatzkiste der Erinnerungen, die wir nun öffnen können, um über Königin Luise, Napoleon und Putin zu lesen, den Deutschen Orden und das jüdische Leben in den Schtetl, Ludendorff und die Sowjetisierung Litauens, die Dichter Johannes Bobrowski und Adam Mickiewicz. Rada, der bereits ein ebenso materialreiches, lesenswertes Buch über die Oder geschrieben hat, ist mit seiner Kulturgeschichte ein wunderbares Porträt dieses Flusses gelungen, der Weißrussland mit der Ostsee, den Osten mit dem Westen verbindet.
 

Uwe Rada
Die Memel – Kulturgeschichte eines europäischen Stromes
Siedler Verlag, 368 Seiten, 19,95 Euro


20.12.2010 Bettina Hartz

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Betreff:
Literatur
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