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Konkrete Poesie

Poetry goes Art & vice versa
Öyvind Fahlström: Section of World Map – A Puzzle, 1973 (Detail);Foto: Bettina Brach
Freiheit für die Buchstaben in Bremen: Eine Ausstellung der Weserburg blickt umfassend auf die Geschichte der Konkreten Poesie zurück. Mit nostalgischem Flair, weil von ihr wenig geblieben ist.

Beschreibung:
Schluss mit dem Zwang zum Schreiben von links nach rechts! Die Lettern tanzen, taumeln, trudeln, ballen sich und fliegen auseinander. In der Ausstellung des «Studienzentrums für Künstlerpublikationen» kann dem Besucher Lesen und Sehen vergehen. Oder er entdeckt es für sich ganz neu.

«Poetry goes art & vice versa» bietet einen Rückblick auf die Geschichte der Konkreten Poesie: Wie sie in den 1950er Jahren entstand und in den 1960ern aufblühte, um dann im Verlauf der 1970er langsam ihr Leben auszuhauchen. Dabei ist die Schau – einer ihrer Vorzüge – wahrhaft international angelegt: Vorgeführt wird, wie die Bewegung gleichzeitig, aber voneinander unabhängig in Schweden, der Schweiz, Österreich und Brasilien aufkam.
 
Das verdeutlichen Hunderte von Manuskripten und Publikationen von mehr als 80 Autoren. Man muss die vielen hier vertretenen Sprachen nicht verstehen, um sich am Einfallsreichtum der Arbeiten zu erfreuen: Da Konkrete Poesie Sprache und Schrift von ihrer Bedeutung löste und als reine Laute bzw. Zeichen verwendete, sind viele ihrer Werke universell verständlich.
 
Audio-Interview mit Kuratorin Anne Thurmann-Jajes
 
Indes wurde sie nicht sehr populär. Von Ernst Jandl und, mit Abstrichen, seinem Landsmann Gerhard Rühm abgesehen, fand Konkrete Poesie nie ein großes Publikum. Das empfand offenbar ihren graphischen Witz und ihre Lust am Experiment als Spielerei. Insofern ist der englische Titel der Ausstellung ein kleiner Etikettenschwindel: Im angelsächsischen Raum mit seiner Fixierung auf das lineare Erzählen spielte Konkrete Poesie kaum eine Rolle.
 
Bewertung:
Längst prägt die Rückkehr zum konventionellen Roman wieder den Literaturbetrieb. Da kommt diese Schau gerade recht: Sie erinnert daran, welche literarischen Freiheiten sich Dichter schon vor einem halben Jahrhundert genommen – und welche Möglichkeiten sie erkundet haben.
 
Allerdings umflort die Ausstellung das nostalgische Flair eines abgeschlossenen Sammelgebietes. Nicht nur, weil die meisten Erstausgaben inzwischen arg vergilbt sind, sondern vor allem, weil von dieser Bewegung so wenig geblieben ist.
 
Am ehesten haben die Sprach-Bilder der so genannten Visuellen Poesie in der Werbung überlebt. Und die Laut-Poesie in der lautmalerischen Wort-Kaskaden der Slam-Poetry: Deshalb werden Führungen mit einem aktiven Slammer angeboten. 
Foto: Bettina BrachFoto: Bettina BrachFoto: © VG Bildkunst, Bonn 2011Foto: Bettina Brach

11.06.2011 Oliver Heilwagen
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Betreff:
Literatur
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