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Leben

Indiens grüner Punkt
Landwirtschaft in Kodaikanal. Foto: Paul Timothy - Fotolia.jpg
Indien hinkt beim Umweltschutz hinterher. Aber in einer kleinen Stadt im Süden ist alles anders. Sogar die Schokolade ist hier Bio

Der große Tempel in Madurai ist überfüllt. Die Menschen drängen eng aneinander vorbei. Es ist laut, bunt, schrill. Jeder, der durch Indien reist, sehnt sich irgendwann unweigerlich nach etwas Ruhe und Stille. Und, wenn möglich, wäre auch etwas Kühle schön. Mit dem Bus erreicht man von Madurai im südlichen Indien aus innerhalb von drei Stunden – was hier sehr schnell ist – die Stadt Kodaikanal. Dort bekommt man genau das.

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„Der Freitag - das Meinungsmedium”

In diesem Erholungsort in den Ausläufern des langgestreckten Westghats-Gebirge gibt es kein Chaos und keine Unordnung. Selbst der wichtigste Wanderweg, der „Coakers Walk“, ist hier gepflastert. Auf 2.195 Meter Höhe ist man fast auf dem höchsten Punkt der Region. Es gibt in Kodaikanal einen künstlichen See mit einem öffentlichen Bootshaus und man kann Fahrräder leihen, um drei Kilometer rund um den See zu radeln. Das mag etwas profan klingen, aber besser als nur ein schnöder McDonald’s im Stadtzentrum ist es allemal.

Überall kann man Bio kaufen

Die beiden Hauptstraßen, die Anna Salai und die PT Road, sind ausgesprochen hässlich. Aber man kann es ihnen nachsehen, denn jeder einzelne Laden dort bietet Bio-Schokolade an. Schokolade! In Indien, wo man darunter normalerweise das versteht, was in einer Kit-Kat-Verpackung vor sich hinschmilzt. Und Augenblick mal – Bio? In diesem Land, in dem jeder seine Plastikflaschen einfach fallen lässt, wenn er sie nicht gleich auf offener Straße verbrennt? Wo Kinder im Müll spielen? Wo die Lebensmittelqualität mit viel Optimismus allenfalls als dürftig bezeichnet werden kann? Genau. Und Schokolade ist nicht das einzige, was Kodaikanal zu bieten hat. Bio ist hier allgegenwärtig.

Um das Phänomen wirklich zu verstehen, muss man die 30.000-Einwohner-Stadt verlassen und ein Stück in die Berge gehen. Das „Cloud-Street“-Café ist ein gutes Beispiel. Der Name ist nur zur Hälfte angemessen. Von einer Straße ist nichts zu sehen. Der zwei Kilometer lange Schotterweg, der zu diesem Juwel führt, ist steil und mit pinkfarbenen Blumen überwachsen.

„Der Name geht auf die Zeit zurück, als wir noch unten in der Stadt ein Café hatten“, sagt die Britin Tanya Levya, die mit ihrem Mann Sharath Michael das Café betreibt. Von der Terrasse aus sieht man Wolken, hinter denen sich Bergspitzen andeuten. Die Blumen und Bäume der Umgebung machen die Aussicht einzigartig. Abgesehen von ihrem Café besitzen die Levya-Michaels ein paar Öko-Bungalows für Touristen. Das Warmwasser kommt von Solarzellen. Gegen die Kälte der Berge wird hier ein Holzfeuer gemacht. Etwas weiter talwärts liegt ein kleiner Biobauernhof, der die Küche des Restaurants versorgt. Auf die Frage, weshalb sie sich dafür entschieden haben, alles öko zu machen, fällt Tanyas Antwort so einfach wie überzeugend aus: „Ich kann es mir nicht anders vorstellen. Ich will diese Schönheit hier nicht zerstören. Und ich möchte, dass mein Sohn an einem guten Ort aufwächst.“



Franka Hummels / freitag / Seite 13 / 07 2010

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