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Ausstellung

Wie Vermeer zu Vermeer wurde
'Bei der Kupplerin' (Ausschnitt). Abb.: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatl. Kunstammlungen Dresden. Foto: Klut/Estel
Die Gemäldegalerie in Dresden zeigt mit nur drei Bildern, wie der Maler zu seinem Stil fand. Und mit dem vierten, wie er seine Werke aufbaute.

Drei Bilder der meisten Maler wären nur eine Kabinett-Ausstellung wert. Drei Gemälde von Jan Vermeer (1632 – 1675) sind jedoch ein Großereignis, für das Liebhaber von weit her anreisen. Nur 36 Werke des Meisters aus Delft sind noch erhalten und über Museen in der ganzen Welt verstreut, die sie selten und ungern ausleihen.

Für «Der frühe Vermeer» haben die Dresdener Gemäldegalerie, das Mauritshuis in Den Haag und die National Gallery in Edinburgh ihre Bestände zusammengetragen. Die Schau wird in allen drei Städten gezeigt; so viel Vermeer dürfte in absehbarer Zeit nicht mehr zu sehen sein.
 
Und so ein unbekannter auch nicht: Präsentiert werden die drei frühesten Gemälde, die von Vermeer erhalten sind. «Diana und ihre Gefährtinnen» aus Den Haag soll 1653/4 entstanden sein, ein Jahr später «Christus bei Maria und Martha» aus Edinburgh. Das Dresdener Bild «Bei der Kupplerin» datierte Vermeer selbst auf 1656.
 
Diese Werke unterscheiden sich radikal von seinen späteren. Das wird im Vergleich mit dem zwischen 1657 und 1659 entstandenen «Brieflesenden Mädchen» sofort deutlich, dem zweiten Vermeer der Gemäldegalerie. An ihm tritt markant hervor, wofür die Kunstwelt den Delfter Maler seit seiner Wiederentdeckung vor rund 150 Jahren verehrt: Die stillen Interieurs, die unnachahmliche Lichtführung, die Kontraste zwischen leuchtenden Farbflächen und strahlenden Akzenten, die Konzentration auf Details.
 
Ganz anders dagegen die drei großformatigen Frühwerke: Alle zeigen Menschengruppen in einer mythologischen, biblischen oder Genre-Szene. Als hätte Vermeer zu Beginn seiner Laufbahn diverse Disziplinen ausprobieren wollen, bevor er sich für seine Spezialität entschied: Kleinformatige Innenräume der bürgerlichen Lebenswelt.
 
Dafür spricht einiges: Historienbilder waren im 17. Jahrhundert das am besten bezahlte Gemälde-Genre. Damit konnte ein Berufsanfänger, der auf sich aufmerksam machen wollte, Kostproben seines Talents abliefern. Allerdings scheinen sie potentielle Käufer wenig überzeugt zu haben. Für den fragmentierten, auf stereotype Formeln fixierten Kunstmarkt im Goldenen Zeitalter der Niederlande waren sie offenbar – zu sehr Vermeers.
 
Abb.: Mauritzhuis. Den HaagAbb. Staatliche Kunstsammlung DresdenFoto: Thomas ScheuflerAbb.: Gemäldegalerie Alte Meister, Staatl. Kunstammlungen Dresden. Foto: Klut/Estel
Alle Motive waren beliebt, weil sie zur Darstellung expressiver Gesten einluden. Die Göttin Diana entdeckt, dass ihre Begleiterin Calliope schwanger ist. Maria und Martha streiten, ob tätiges oder kontemplatives Leben besser sei. Und im Bordell der Kupplerin ging es ohnehin hoch her. Doch Vermeer entdramatisiert das Geschehen und beschränkt sich jeweils auf eine Momentaufnahme.

 



27.09.2010 Oliver Heilwagen
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Kunst
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