Zum höheren Ruhme Gottes: «Schätze des Glaubens» im Bode-Museum zeigt kostbare Meisterwerke der Kunst im Mittelalter - die zurzeit prächtigste Ausstellung weltweit über diese Epoche.
Alles Gold, was glänzt: Wer den Saal im Untergeschoss des Bode-Museums betritt, wird von der ausgebreiteten Pracht geblendet. Trotz reduzierter Lichtstärke, um empfindliche Stoffe zu schonen: Das Gleißen der Edelmetalle, das Funkeln der Juwelen ist so intensiv, als habe man eine neu entdeckte Schatzkammer geöffnet.
Schätze des Glaubens
bis 30. September 2012
täglich 10 bis 18 Uhr,
donnerstags bis 22 Uhr
im Bode-Museum,
Am Kupfergraben 1, Berlin
Katalog 19,90 €
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Dem ist auch so. Zwar sind alle Werke im Besitz des Dom-Museums Hildesheim und des Kunstgewerbemuseums Berlin, doch noch nie waren sie an einem Ort vereint. Jetzt ist es soweit, weil das Dom-Museum in neue Räume umzieht, die umgebaut werden. Auch das Kunstgewerbemuseum wird saniert. Anstatt ihre besten Stücke solange ins Depot zu verbannen, legen beide Museen sie für eine zweijährige Sonderschau zusammen.
Die bietet spektakuläre Highlights en masse. Von den rund 70 Exponaten aus dem 8. bis 15. Jahrhundert gilt jedes sechste unter Kunsthistorikern als Schlüsselwerk, als Maßstab für den jeweiligen Stil in Vollendung. Wer mit dem frühen Mittelalter karge Schlichtheit assoziiert, wird eines Besseren belehrt: Gerade die Beispiele romanischer Kunst prunken mit einem verschwenderischen Reichtum an Details, wie man sie eher von byzantinischen Arbeiten erwartet.
Bereits das Reliquiar in Bursenform des Stiftes St. Dionysius zu Enger bei Herford aus dem 8. Jahrhundert versammelt auf engstem Raum ein Vermögen: Edelsteine, Perlen und leuchtender Zellenschmelz-Dekor auf Gold- und Silberblech. Zwei massive Reliquiare aus dem 12. Jahrhundert wirken wie unermesslich kostbare Tisch-Skulpturen.
Das dem heiligen Oswald gewidmete Exemplar aus Hildesheim ist von einem gekrönten Haupt bedeckt, das Berliner Gegenstück von einer Kuppel aus Rippen-Bögen. Damalige Baumeister konnten derlei noch nicht konstruieren, die Goldschmiede schon.
Video-Impressionen der Ausstellung samt Kommentar des Kurators Lothar Lambacher
Oft ist es Zufällen zu verdanken, dass diese Kleinodien die Jahrhunderte überdauert haben. Runde Scheibenkreuze aus filigranem, reich mit Edelsteinen besetzten Goldblech kamen in der frühen Neuzeit aus der Mode und wurden meist eingeschmolzen.
Drei Exemplare steckten aber in Hildesheim als Schmuck auf dem Altar und haben dort überlebt. Wie manches andere Kirchengerät: Ihr liturgischer Gebrauch und die Ehrfurcht vor der Religion bewahrte sie vor Raub oder Zerstörung.
Das gilt nicht nur für Metallarbeiten, sondern auch für Tragaltäre und Bücher. Sie wurden mit fein geschnitzten Elfenbein-Reliefs verziert, die Heilige und Szenen aus dem Leben Jesu zeigen. Etwa auf dem Codex Wittekindeus, dessen Einband Kaiser Otto der Große im 10. Jahrhundert in Auftrag gab.
Diese kiloschwere Handschrift steuert die Berliner Staatsbibliothek zur Ausstellung bei. Ihre Leihgaben lohnen einen mehrmaligen Besuch: Nach drei Monate werden die aufgeschlagenen Buchmalereien ausgetauscht, damit ihre Farben nicht verblassen.
Alle Schätze wurden zum höheren Ruhme Gottes geschaffen. Ihm zugedachter Lob und Preis war auf Latein formuliert, ebenso die Bezeichnungen für das Kircheninventar. Damit heutige Besucher sie verstehen, haben die Kuratoren Übersetzungen der Inschriften und ein Glossar aller Begriffe angebracht – die einzige, diskrete Zutat. Damit nichts vom Glanz der Kostbarkeiten in ihren Vitrinen ablenkt.