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Ausstellung

Gesprengte Safes in Monte Carlo
Foto: Daniel Mille
Europapremiere: Der Schweizer Martin Engler stellt historische Drucke in Kuba her und am Grimaldi-Felsen aus.

Ein historischer Safe aus Gusseisen mit offener Tür, die Ladung aus Goldbarren auf den Boden gekippt. Und drum herum eine Serie beinahe dreidimensionaler Kunstdrucke, in denen Banksafes, Geldwäsche, der Dollar, die Schweiz und Kuba die Hauptrollen spielen. Mitten in Monte Carlo, in der Galerie des Gildo Pastor Centers, eines Immobilienhandelszentrums, das in Gold und Marmor protzt, eröffnet ein putziger Schweizer seine dezent und kunstvoll subversive Ausstellung mit dem Titel «Der verlassene Safe». Macht, Ohnmacht und Zynismus von Geld die Themen.

Martin Engler ist bekannt durch seine Mixed-Media-Kollagen aus historischen Objekten und Dokumenten, die er unter transparentem Kunstharz präsentiert. Gerechtigkeit, Kolonialismus, die Geschichte des Jazz oder die Meereswelt sind Beispiele für deren Themen.
 
Auf der Biennale in Havanna präsentierte er im vergangenen Jahr das Ergebnis seiner neusten Recherche. Auf Kuba entdeckte Engler die historische Drucktechnik der Kollagrafie. «Die Druckplatten werden mit einem Gipsartigen Pulver hergestellt, blanco di España. Das trocknet irre schnell und die Linien, die man kreiert, kann man kaum sehen, so weiss ist alles.» In wenigen Stunden wies ihn ein kubanischer Meister in die Technik ein und Engler wandelte sie auf seine Weise ab.
 
Dann ging es darum, einen alten Safe zu finden. «Die liegen dort überall und verrosten. Sie sind Zeitzeugen der US-Herrschaft über die Insel. Zusammen mit Nelson Dominguez fand ich einen Safe, der aus dem Wasser lugte, direkt am Strand des Wassersportklubs. Ich sagte zu Dominguez: Aus dem musst du ein Kunstwerk machen. Er zu mir: Nein, Du musst es tun! Doch man wollte uns den Safe nicht überlassen. Ich fand dann einen bei Bekannten, die in Havanna einen Laden betreiben.» Jetzt steht das Stück, von seinem Rost befreit, in Monte Carlo. Doch die Safes in seinen Kollagrafien sind alle rostfarben.
 
Foto: Daniel MilleFoto: Daniel MilleFoto: Daniel MilleFoto: Daniel Mille
Pro Motiv stellt er höchstens zehn Drucke her. «Jeder Druckvorgang dauert mehrere Stunden und die Matritzen müssen vor jedem Druck neu gereinigt werden, so dass jedes Exemplar ein Unikat ist.» In Havanna stellte er sie eigenhändig auf Maschinen aus dem neunzehnten Jahrhundert her. Es ist eine Technik für Menschen, die wenig Geld haben, aber viel Zeit. «Die Kollagrafie wurde in den USA erfunden, aber dort schnell aufgegeben. Allein die Kubaner betreiben sie bis heute. Aber das blanco di España verschnitten sie mit Mehl bevor sie es mir verkauften.» So ist die Geschichte der Insel und des Kapitalismus in Englers Kollagrafien nicht nur in Motive gefasst, sondern auch materiell enthalten.
 


09.07.2010 Thomas Hahn
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Kunst
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