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Ausstellung

Kein Land in Sicht
Foto: Hans-Peter Klut/Elke Estel
«Das versprochene Land» heißt die erste Sonderausstellung des Albertinums in Dresden. Sie verspricht mehr, als sie halten kann.

«Das versprochene Land» liegt im ersten Stock des Albertinums. Es ist 1.200 Quadratmeter groß: So viel Grundfläche misst der Saal für Wechselausstellungen, den das neu eröffnete Haus durch den Umbau hinzugewonnen hat. Die erste Sonderausstellung will diesen Zuwachs würdigen. Zugleich soll den Künstlern gedankt werden, die nach der Flut 2002 eigene Werke stifteten; mit dem Auktionserlös von 3,4 Millionen Euro wurden Sanierungskosten beglichen.

Trotz dieser Großzügigkeit steuert die Galerie Neue Meister nur wenige Arbeiten aus eigenen Beständen bei. Der überwiegende Teil stammt von zwei Leihgebern: der «Gesellschaft für moderne Kunst in Dresden», die der Galerie fast 30 Ankäufe überlassen hat, und vor allem der «Sammlung Rheingold».
 
Dieses Konsortium von sechs rheinischen Privatsammlern um den «Art Consultant» Helge Achenbach aus Düsseldorf trägt seit 2001 systematisch große Werkgruppen zusammen. Ihr bislang größter Coup war 2008 die Übernahme der Sammlung des Kölner Urologen und Publizisten Rainer Speck. Aus seiner Kollektion stammen viele der gezeigten Werke.
 
Hier geben also Big Collectors die Richtung vor; das sieht man der Schau auch an. Allenfalls im Vorraum korrespondiert ein halbes Dutzend Arbeiten mit dem Ausstellungstitel. Etwa das namensgleiche Gemälde von Sophia Schama, das eine verfallene Industrielandschaft in düster-pastosen Farben zeigt. Oder eine der monumentalen Dschungel-Fotografien von Thomas Struth.
 

Lesen Sie hier einen kultiversum-Bericht über die Neueröffnung des Albertinums im Juni 2010

Oder unwirtliche Szenerien als sarkastische Kommentare: Die Aufnahme eines scheinbar funktionslosen Beton-Kolosses von Beate Gütschow, eines leeren Parkhauses von Candida Höfer und eine hintersinnige Collage von Thomas Bayrle: In einer Spielzeuglandschaft fügen sich lauter Straßen zu einem Euro-Zeichen.
 
In der Haupthalle spielt aber das eingangs abgegebene Versprechen keine Rolle mehr. In bunter Reihe wird aufgefahren, was dem aktuellen Kunstmarkt lieb und teuer ist. Große Namen und große Formate: Drei wandfüllende Gemälde von Sigmar Polke, zwei überlebensgroße «Riesen» von Martin Honert, ein ausladendes Video-Zelt von Marcel Odenbach und Rosemarie Trockel und jede Menge bemalter XXL-Leinwände.
 
Ein Who is who wie bei Kunstmessen. Wobei erkennbar diejenigen zeitgenössischen Großkünstler und Techniken bevorzugt werden, die in der ständigen Ausstellung der zweiten Etage unterrepräsentiert sind. Als wolle das Albertinum die dort spürbaren Lücken kompensieren. Was legitim wäre, um sich aus dem Stand als «neuer Leuchtturm in der deutschen Museumslandschaft» zu profilieren, wie es in der Eigenwerbung heißt.
 
Foto: Hans-Peter Klut/Elke EstelFoto: Egbert TrogemannNeo Rauch: Foto: Thomas Struth
Nur ergibt das keine Sonderausstellung, die diesen Namen verdiente, weil sie einem wie auch immer gearteten Konzept folgt. Darauf weist auch die lieblose Präsentation hin. Es gibt weder Katalog noch Wandtexte oder andere Erläuterungen; die Werke wirken wie willkürlich im Raum verteilt. Kein roter Faden, der irgendwo hin führte – und schon gar kein Land in Sicht.

 


01.10.2010 Oliver Heilwagen
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Betreff:
Kunst
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