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Ausstellung

Auf den zweiten Blick
© Lex Drewinski/100 Beste Plakate e. V.
Die «100 besten Plakate 09» aus dem deutschsprachigen Raum in einer Wanderausstellung; erste Station: Berlin.

Brumm, Ratter, Klingeling. Akustisch ist drinnen draußen im unteren Foyer des Berliner Kulturforums, wo die Ausstellung der «100 besten Plakate 09» derzeit ihre erste Station macht.
 
Studenten der Hochschule für Gestaltung aus Offenbach haben die 100 gleichberechtigten Preisträger, ausgewählt aus insgesamt 1643 Einsendungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, in asymmetrische weiße Pappaufsteller hineingebastelt und ihnen eine gedämpfte Großstadt-Sounds-Begleitung beigegeben – Erinnerung an das eigentliche Habitat des Plakats im öffentlichen Stadtraum.
 
Die Ausstellungsarchitektur passt zum Trend zum Subversiven, der die Auswahl charakterisiert. Immer wieder muss man um die Ecke gucken, um herauszufinden, ob sich da noch ein Preisträger versteckt. Und immer wieder muss man zweimal hingucken, um die Plakatbotschaft zu verstehen. Eindeutige formale Schwerpunkte sind dabei nicht auszumachen: von der Kollage über das gezeichnete bis zum mit der Typografie spielenden Motiv ist alles dabei.
 
Ein schwitzender Mao steht für «Global Warming», für den Walfang-Stopp wirbt ein schlichtes weißes Plakat, in dessen Mitte ein Wal bis auf die Schwanzflosse in einer Blutlache verschwunden ist – die auf den zweiten Blick aussieht wie eine platt gedrückte aufgehende Sonne. Noch ein nationales Symbol wird entfremdet und mit neuer Bedeutung aufgeladen: Korbinian Kainz und Arne Fehmel inszenieren das Schweizer Kreuz vor rotem Hintergrund als riesigen Hammer im gefährlichen Landeanflug auf ein winziges Minarett.
 
© Carina Böhler/100 Beste Plakate e. V.© Korbinian Kainz, Arne Fehmel/100 Beste Plakate e. V.© onlab: Thibaud Tissot/100 Beste Plakate e. V.© Dominique Schmitz/100 Beste Plakate e. V.
 
Viele der «100 besten Plakate 09» sind nur in kleiner Auflage gedruckt worden, die meisten der traditionell zahlreich vertretenen Studentenarbeiten wären nie außerhalb von deutsch-österreichisch-schweizerischen Kunsthochschulen aufgehängt worden, wenn sie nicht in die Wettbewerbsauswahl gekommen wären.
 
Mit ihrem weitgehenden Ausschluss kommerzieller Großkampagnen hat die aktuelle Gestalter-Jury unter dem Vorsitz der schweizerischen Designerin Trix Barmettler den Anspruch des Träger-Vereins «100 beste Plakate» auf die Spitze getrieben, Anwalt der gestalterischen Avantgarde zu sein – was einerseits ein hohes Niveau bedeutet, andererseits den Wettbewerb zu einer Nischen-Veranstaltung macht, die das Plakat ein wenig zu eilfertig aufs Kunst-Podest hebt und dabei das Nachdenken darüber, wie sich die soziale Rolle dieses alten Mediums in Zeiten multimedialer Reizüberflutung verändert haben könnte, in den Hintergrund geraten lässt.
 

05.07.2010 Sophie Diesselhorst
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Kunst
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