Sigmar Polke galt als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Gegenwartskunst. Nun öffnet Klaus Staeck, einst Polkes Verleger und Künstlerkollege, seine privaten Archive, blickt auf eine vier Jahrzehnte währende Arbeitsfreundschaft zurück und richtet ihm eine Hommage in der Berliner Akademie der Künste aus – eine privat anmutende Ausstellung, die den traurigen Gestus im Werk Polkes hervorzuheben versteht.
Beschreibung:
Der Sammler, so Staeck, hortete alles, auch den kleinsten, vermeintlich unbrauchbaren Schnipsel. Insofern bezeichnet er den ersten von insgesamt vier Ausstellungsräumen auch als seinen «Trashraum».
Hier präsentiert er neben vom Künstler malerisch gestaltete Rechnungen unter anderem auch eine Auswahl von über 100 Faxen, die er über die Jahre an Polke verschickte – allesamt dem Versuch gewidmet, einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Nur dreimal schrieb Polke zurück.
Die Treffen aber seien immer «ein kleines Fest», ihr Verhältnis zueinander wie das eines «alten Ehepaars» gewesen, erinnert sich Staeck. Einige großformatige Porträt- und Atelieraufnahmen halten jene Vertrautheit fest.
Was Polke und Staeck miteinander verband war ihre Freude am ironischen Schlagabtausch und ihr politisches Interesse. Jedoch sei gerade die politische Seite seiner künstlerischen Arbeiten – darunter etwa die in der Akademie der Künste ausgestellten Fotografien von übermalten CDU-Plakaten (1972) oder aber die Serie Kölner Bettler (1974) – erst in den Nachrufen auf den Künstler hinreichend gewürdigt worden.
Von zentraler Bedeutung ist auch die lange Zeit vergessene, zehnteilige Werkgruppe «Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen» (1974-76), die 2009 bereits in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war. In schriller Manier werden hier politische Ideologien als Peinlichkeit entlarvt, Geschichtsbilder karikiert und Träume des Kleinbürgertums aufs Korn genommen.
Polkes Arbeiten zeugen von einem feinen bis drastischen Humor – soviel ist bekannt. Doch wenn Superman im Konsumrausch durch die schmalen Gänge des Supermarktes läuft oder eine Kartoffel um ihresgleichen kreist, («Kartoffelmaschine», 1969) so lässt sich nur kurz darüber schmunzeln.
Denn idyllische Szenerien tun sich nicht auf. Polkes analytischer Blick ist der krisenhaften Wirklichkeit seiner Zeit auf die Spur gekommen.
Bewertung:
Für viele sei Polke «ein Spaßvogel» gewesen. «Das war er für mich keineswegs», merkt Staeck an. Selten wurde dies so deutlich wie in der von Klaus Staeck und Kirsten Klöckner kuratierten Ausstellung.