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Remagen

Hans Arp: «Traumanatomie»
Porträt-Aufnahme von Hans Arp mit Nabel-Monokel, 1926; Foto: ohe
Zum 125. Geburtstag von Hugo Ball porträtiert das Arp Museum den Dada-Pionier und seinen Freund Hans Arp als vielseitige Sinn-Zerstörer und –Schöpfer: Vom Verstummen im Glauben bis zum einzigartigen Gesamtwerk.

Beschreibung:
Zwei Wegbereiter der Moderne, die anfangs gemeinsame Sache machten, dann getrennte Wege gingen, doch stets einander verbunden blieben: Hugo Ball und Hans Arp einte vor allem ihr Überdruss an der bürgerlichen Kunst- und Weltsicht, die im Ersten Weltkrieg zugrunde ging. Beide waren vor dem großen Gemetzel in die neutrale Schweiz geflohen.

In Zürich eröffnete Ball 1916 das «Cabaret Voltaire». Dort veranstaltete er Dada-Abende mit Gleichgesinnten wie Tristan Tzara, Richard Huelsenbeck und Hans Arp: Lautgedichte, Maskentänze und andere sinnfreie Spektakel. Dieser Urknall einer radikalen Moderne fand rasch Nachahmer in Berlin, Köln, Paris und New York.

 
Doch Ball zog sich bald von der Dada-Bewegung zurück und arbeitete als Zeitungsmann, bevor er zum Katholizismus konvertierte: In den 1920er Jahren veröffentlichte er Studien über Mystiker. 1927 starb er mit nur 41 Jahren an Magenkrebs. Seine frühen, vor Esprit funkelnden Kurzromane gelten heute als Geheimtipp.
 
Video-Impressionen der Ausstellung
 
Ganz anders Arp (1886 – 1966), der mit vielen namhaften Künstlern in Verbindung stand, ohne sich einer Richtung zu verschreiben. Er fand zu einem Stil, den er «konkrete Kunst» nannte: «Wir wollen nicht die Natur nachahmen. Wir wollen nicht abbilden, wir wollen bilden». Dabei stand allerdings die Natur Pate: Arp kombinierte einfache, biomorphe Formen in zahllosen Varianten.
 
So entstand ein umfangreiches Werk aus Bildern, Collagen, Reliefs und Skulpturen. Bei «Zerreißbildern» überließ Arp die Gestaltung dem Zufall, indem er Schnipsel auf den Bildgrund streute und fixierte. Auch die Metamorphose als «ewige Verwandlung der Körper» spielte für ihn eine große Rolle: Seine Rundplastiken haben keine Schauseite – man soll beim Umschreiten ihre Veränderung wahrnehmen.
 
Foto: oheFoto: oheFoto: oheFoto: ohe
Bewertung
:
Die Ausstellung zeigt das Spektrum der Post-Dada-Strategien auf: Während Ball der Kunst den Rücken kehrte und Halt in Glaubensgewissheiten suchte, nahm sich Arp alle Freiheiten eines nicht-doktrinären Kunstverständnisses. Die Beschränkung auf ein elementares Formen-Vokabular erlaubte ihm, ein einzigartiges Gesamtwerk aus Wort, Bild und Plastik zu schaffen. Das veranschaulicht das Haus kongenial anhand seiner reichen Bestände.

25.02.2011 Oliver Heilwagen
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