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Berlin & Neu-Ulm

William Wauer und der Berliner Kubismus
William Wauer: Porträt Herwarth Walden (Detail), 1917, Bronze; Foto: ohe
Das Multitalent der 1920er Jahre rühmten Zeitgenossen als Vollender des deutschen Kubismus. Nicht ohne Grund, wie eine beeindruckende Skulpturen-Ausstellung im Georg-Kolbe-Museum und Edwin-Scharff-Museum zeigt.

Beschreibung:
Ein Leben auf der Überholspur: Der 1866 geborene William Wauer studierte Malerei, wanderte aus, scheiterte in New York als Werbegrafiker, reiste durch Europa, entwarf Reklame, lernte in Berlin Regie bei Max Reinhardt, pachtete ein Theater, ging bankrott, wechselte zum Film, drehte 38 Streifen in zehn Jahren, reüssierte als Künstler, wollte die Nazis zum Expressionismus bekehren, galt als «entartet», wurde nach dem Krieg vom Kunstbetrieb rehabilitiert und erhielt kurz vor seinem Tod 1962 das Bundesverdienstkreuz.

In die Kunstgeschichte ging der Tausendsassa durch seine enge Verbindung mit Herwarth Walden ein. Der «Sturm»-Galerist und Propagandist moderner Kunst begeisterte ihn für die Bildhauerei. 1916 fertigte Wauer seine erste Kleinplastik an: Der «Schlittschuhläufer» ist fast zeichenhaft mit wenigen, kantigen Formen wiedergegeben.

1917 schuf er sein bekanntestes Werk, eine Monumentalbüste von Walden; trotz der Beschränkung auf wenige, hart abgesetzte Flächen ist die Ähnlichkeit unverkennbar. So ausdrucksstarke Porträts gelangen Wauer von mehreren Akteuren aus dem «Sturm»-Umfeld.
 
Der Walden-Kopf ist oft zu sehen, doch meist als singuläres Einzelstück – wie andere stilistisch verwandte Skulpturen der Zwischenkriegszeit. Nun versammelt das Georg-Kolbe-Museum 64 Werke zu einer Ausstellung, für die es den Begriff «Berliner Kubismus» einführt: Alle 16 gezeigten Künstler wirkten zeitweise in der Hauptstadt.
 
Führung mit Austellungsleiter Dr. Marc Wellmann
Video-Impressionen der Ausstellung

Ob ihre Gemeinsamkeiten erlauben, von einer deutschen Spielart des Kubismus zu sprechen, mag die Wissenschaft entscheiden. Doch kubistische Prinzipien treten deutlich hervor: die Reduktion auf einfache geometrische Grundformen, die Einbeziehung des Raumes, die gleichzeitige Darstellung mehrerer Perspektiven an einer Gestalt.
 
Dabei reicht das Spektrum von den dynamisch-asymmetrischen Konstruktionen von Alexander Archipenko und Rudolf Belling über die scharfzackigen Architektur-Entwürfe eines Walter Gropius und Johannes Itten bis zu den organisch-runden Volumina von Edwin Scharff; das ihm gewidmete Museum in Neu-Ulm zeigt die Schau im Herbst.
 
Anfangs überwog die hoch gespannte Suche nach dem «Neuen Menschen». Später wurden die Werke gefälliger. Wauer modellierte Köpfe der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg sowie Tierfiguren, die jeden Kaminsims schmücken könnten.
 
Bewertung:
Der vormals revolutionäre Impuls erschöpfte sich in einem Formenvokabular, das beliebig einsetz- und wiederholbar erscheint. Doch um 1920 orientierten sich etliche, sehr verschiedene Bildhauer an kubistischen Einflüssen, was die Ausstellung anschaulich vorführt – eine echte Entdeckung.
Foto: oheFoto: oheFoto: oheFoto: ohe

 


03.05.2011 Oliver Heilwagen
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