Witold Lutoslawski
Beruf: Komponist, Dirigent
geb.: 25.01.1913
gest.: 07.02.1994
Etappen: 1932-1937: Studium der Komposition und der Mathematik in Warschau; 1938: «Symphonische Variationen»; 1941: «Paganini-Variationen für zwei Klaviere»; 1954 «Konzert für Orchester»; 1956 Mitbegründer des «Warschauer Herbstes»; 1961 «Jeux Vénitiens», 1983 3. Symphonie
Lebenslauf: «Ich war stets Befürworter der abstrakten Auffassung der Musik. Musik drückt durch sich allein keinerlei nichtmusikalische Inhalte eindeutig aus. Musik ist Musik!», meinte Witold Lutoslawski. Der Warschauer, der neben Chopin als Polens wichtigster Komponist gilt, vollzog im Laufe seines musikalischen Lebens eine Entwicklung vom Neoklassizismus über die Zwölftonmusik bis hin zu einem von den Bildern der französischen Impressionisten geprägten Lyrismus.
Nachdem Lutoslawski in den 30er Jahren Komposition und Mathematik in Warschau studiert hatte, schlug er sich nach der Flucht aus der kurzzeitigen deutschen Kriegsgefangenschaft gemeinsam mit seinem Komponistenkollegen Andrzej Panufnik als Cafémusiker durch. Mitte der Fünfziger Jahre begründete er das Musikfestival «Warschauer Herbst» mit, auf dem sich die internationale Musikavantgarde traf.
Das Zweite Klavierkonzert von John Cage, aus dem Lutoslawski 1960 am Radio einen Ausschnitt von fünf Minuten hörte, beeinflusste ihn maßgeblich. In seiner 1956 entstandenen viertelstündigen Orchesterkomposition «Jeux Vénitiens» nimmt er erstmals die Idee des «aleatorischen Kontrapunkts» auf - das Stück enthält Passagen, in denen der Dirigent nur den Einsatz gibt und die einzelnen Orchestermusiker im folgenden «ad libitum» spielen, das heißt, ihre jeweilige Stimme improvisieren, so dass keine Aufführung wie die andere ist. In den 60er Jahren betätigte sich Lutoslawski verstärkt auch als Dirigent, um neue Impulse für seine kompositorische Praxis zu gewinnen.
Als Meisterwerke des Warschauers gelten das 1968 entstandene «Livre pour Orchestre» und die 1983 von George Solti und dem Chicago Symphony Orchestra zur Uraufführung gebrachte 3. Symphonie, an der Lutoslawski über zehn Jahre gearbeitet hatte.
Witold Lutoslawski im Kultiversum: Kontrolliertes Spiel mit dem Zufall