Beruf: Autor und Regisseur
geb.: 1967 in Göttingen
Schlaglichter: Journalist in Istanbul, Regiestudium in München, Regieassistent der Kammerspiele, Dramaturg an der Schaubühne am Lehniner Platz, Dozenturen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.
Auszeichnungen: Else-Lasker-Schüler-Preis/-Dramatikerpreis (1997/2010), Nestroy-Theaterpreis (2002 und 2009), Einladungen zu den Mühlheimer Theatertagen (6 Mal) und zum Theatertreffen (2 Mal)
Zusammenarbeit u.a. mit: Thomas Ostermeier, Jürgen Gosch, Johannes Schütz
Werke (Auswahl): Fisch um Fisch, Push up 1–3, Die arabische Nacht, Die Frau von früher, Ambrosia, Auf der Greifswalder Straße, Alice im Wunderland, Hier und Jetzt, Der Goldene Drache
«Theaterstücke spiegeln ihre Zeit, vor allem spiegeln sie den Menschen und seine Wünsche, Sehnsüchte, Überforderungen, Fehler, Ängste, seine Unzulänglichkeit und Grausamkeit – und das allein ist schon kompliziert und komplex genug», findet Roland Schimmelpfennig. Kein auftrumpfender Visionär oder Provokateur, der das Spektakel auf der Bühne liebt, gilt der gebürtige Göttinger als Texttüftler, der Motive, Situationen und Figuren auf innige Weise verknüpft.
Schimmelpfennigs surrealistische Textmontagen scheinen von García Marquez oder Antonioni inspiriert und geben für Regisseure keine leichte Vorlage ab. Doch genau dieser Herausforderung setzen sich Theatermacher auf der ganzen Welt gerne aus: In über 40 Ländern sind seine Stücke bisher schon zur Aufführung gelangt.
Nach vielen Jahren des reinen Autorendaseins kehrte der studierte Regisseur Roland Schimmelpfennig 2009 in die Rolle des Inszenierenden zurück. An der Wiener Bühnenfassung seines Stücks «Der goldene Drache» lässt sich seine Prägung durch Jürgen Gosch ablesen, der zehn seiner Stücke uraufführte und Schimmelpfennig nach eigenem Bekunden maßgeblich prägte.
Als Gosch gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Johannes Schütz kurz vor seinem Tod den Theaterpreis Berlin verliehen bekam, da schenkte Schimmelpfennig ihm in seiner Laudatio ein noch ungeborenes Stück, dessen Grundcharakter sowohl die Dreierbeziehung Gosch / Schütz / Schimmelpfennig beschreibt als auch die kühnsten Träume des erfolgreichsten deutschsprachigen Bühnenautoren: «Ich stelle mir ein Stück vor, in dem sich alles die ganze Zeit nur um einen einzigen, sehr sehr langen Moment dreht: Keine Vergangenheit, keine Zukunft, keine Entwicklung.»