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Monica Bleibtreu

Die Spielwütige

Beruf: Schauspielerin
geb.: 4. Mai 1944 in Wien; † 13. Mai 2009 in Hamburg

Theaterrollen (Auswahl): 1990 Schauspielhaus Hamburg Goethe / Stella Regie: Frank Castorf; 1996 Schauspielhaus Hamburg Jelinek / Stecken, Stab und Stangl Regie: Thirza Bruncken; 2006 St. Pauli Theater Klaus Pohl / Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank.

Film-Rollen (Auswahl): „Der Kommissar“ (Regie: Wolfgang Becker, 1972), „Lola rennt“ (Regie: Tom Tykwer, mit Moritz Bleibtreu und Franka Potente, 1998), „Abschied - Brechts letzter Sommer“ (Regie: Jan Schütte, Script: Klaus Pohl, 2000), „Die Manns - ein Jahrhundertroman“ (Regie: Heinrich Breloer, 2001), „Marias letzte Reise“ (Regie: Rainer Kaufmann, 2005), „Vier Minuten, Regie: Chris Kaufmann, 2006), „Hilde“ (Regie: Kai Wessel, mit Heike Makatsch, 2009)

Auszeichnungen (Auswahl): Goldene Kamera für „Der Kommissar“ (1972), Adolf-Grimme-Preis für „Die Manns - ein Jahrhundertroman“ (2002), Deutscher Fernsehpreis, Bayrischer Fernsehpreis und Adolf-Grimme-Preis für „Marias letzte Reise“ (2005), Bayrischer Filmpreis für „Vier Minuten“ (2007), Deutscher Hörbuchpreis für „Tannöd“ (2007).

„Ihr Name war Programm: Sie blieb sich immer treu.“ - Josef Bierbichler

„Du warst die Königin der Zocker und keinem Rausch abgeneigt und oft sehr böse über die Welt, das Theater und das Leben.“ (TH 07/09). So charakterisiert Regisseur Ulrich Waller die Schauspielerin Monica Bleibtreu in seinem Nachruf. Doch genau diese Wut, die ihr Weggefährte Waller beschreibt, war Antrieb ihrer schier grenzenlosen Spiellust. Seit ihrer Kindheit stand Monica Bleibtreu auf der Bühne. Und dort blieb sie ihr ganzes Leben lang, bis zuletzt. Noch zwei Wochen vor ihrem Tod trat sie im St. Pauli Theater mit dem Solostück „Nachtgespräche mit meinem Kühlschrank“ auf.

Ihr Handwerk gelernt hat sie in Hamburg und Wien - diesen beiden Städte blieb sie ihr Leben lang verbunden. 1971 arbeitete sie das erste Mal fürs Fernsehen und gewann kurz darauf die Goldene Kamera. Trotzdem blieb sie dem Theater treu und spielte an den großen Bühnen in Deutschland und Österreich. Von 1993 bis 1998 wurde sie als Professorin für Schauspiel an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg berufen.



Mit 55 gelang ihr ein später Durchbruch auf der Kinoleinwand: Gemeinsam mit ihrem Sohn Moritz, den sie immer als „Glücksfall ihres Lebens“ bezeichnete, stand sie für den international erfolgreichen Film „Lola rennt“ vor der Kamera. Sie selbst war verwundert über diesen Karriereschub: „Der Erfolg war plötzlich nicht mehr nur für die anderen da.“
Egal welches Genre, ob Mann oder Frau, ob Trinkerin oder Dichtergattin - sie betrat beständig neues Terrain und näherte sich mit großem Respekt ihren Figuren an: „Ihre Neugier war von unbeschreiblicher Vorsicht“, schreibt Klaus Pohl anlässlich einer Abschiedsmatinee in einem Brief an Ulrich Waller (TH 07/09).

Seit Tom Tykwers „Lola rennt“ war sie gefragter denn je, spielte in großen Kino- und Fernsehproduktionen. Auch als Sprecherin von Hörspielen machte sie sich einen Namen und gewann den Deutschen Hörbuchpreis. „Es ist geradezu unheimlich gut, wie sie der aufbrechenden Verzweiflung, den unbeherrschten Gefühlen, dem Ziehen, Zagen und Flehen [...] eine Stimme gibt,“ schwärmt Kritiker Bernhard Gleim (Literaturen 11/07).

Monica Bleibtreu starb in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 2009 in ihrer Wohnung in Hamburg.
 

Nicola Schwarzmaier / Foto: F. Simon

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