geb.: 18.11.1939 in Ottawa, Ontario (Kanada)
Beruf: Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin
Schlaglichter: studierte englische Literaturwissenschaft in Toronto und Camebridge/Massachusetts, lehrte an verschiedenen Universitäten und erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel sowie Auszeichnungen für ihr schriftstellerisches Werk
Werke in deutscher Übersetzung (Auswahl):
Romane: Die essbare Frau (1985), Lady Orakel (1984), Die Unmöglichkeit der Nähe (1980), Der Report der Magd (1987), Katzenauge (1990), Die Räuberbraut (1994), Alias Grace (1996), Der blinde Mörder (2000), Oryx und Crake (2003), Die Penelopiade (2005), Das Jahr der Flut (2009)
Essay- und Erzählbände: Unter Glas (1979), Die Giftmischer (1993), Der Salzgarten (1994), Tips für die Wildnis (1991), Gute Knochen (1995), Das Zelt (2006), Moralische Unordnung (2008), Payback. Schulden und die Schattenseite des Wohlstands (2008)
Gedichtbände: Wahre Geschichten (1984), Ein Morgen im verbrannten Haus (1998)
Auszeichnungen (Auswahl): Governor General’s Award (1966), Government of France’s Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres (1994), Giller Prize (1996), Booker Prize (2000), Prince of Asturias Award for Letters (2008), Nelly-Sachs-Preis (2009), Dan David Prize Tel Aviv (2010)
«Der Erfindungslust und dem sarkastischen Witz von Margaret Atwood scheinen keine Grenzen gesetzt» (Frauke Meyer-Gosau)
Margaret Atwood, Grande Dame der kanadischen Literatur und Daueranwärterin auf den Literaturnobelpreis, verbrachte ihre Kindheit in der Wildnis im Norden Kanadas, auf einer Insel ohne Strom und ohne Telefon, wo der Vater Insektenforschung betrieb. Wildnis und Natur haben Margaret Atwood seither nicht losgelassen, auch als sie später englische Literaturwissenschaft studierte und in größere Städte zog. Parallel zu ihrer Tätigkeit als Universitätsdozentin begann sie, eigene literarische Texte zu veröffentlichen. Sie schreibt Lyrik, Erzählungen, Essays, Romane, Kinder- und Sachbücher und kann heute auf ein umfangreiches Werk zurückblicken, das bislang in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde. International bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen «Der Report der Magd», der 1990 von Volker Schlöndorff unter dem Titel «Die Geschichte der Dienerin» verfilmt wurde, «Alias Grace», «Oryx und Crake» sowie mit ihrem bisher letzten Roman «Das Jahr der Flut».
Die Rolle der Frau in der Gesellschaft sowie das Verhältnis des Menschen zur Natur und die selbstverursachte Bedrohung durch Umweltkatastrophen sind die Fixpunkte im erzählerischen Universum von Margaret Atwood. Häufig entwirft sie düstere Zukunftsvisionen, in denen sie vorhandene gesellschaftliche Tendenzen zu Ende denkt. «Speculative fiction» nennt die Autorin ihr Vorgehen in Abgrenzung zur «science fiction». Dabei bleibt sie stets einem «poetischen Realismus» verpflichtet, wie Sigrid Löffler in ihrem Literaturen-Porträt herausstellt: «Die Phantasie muss immer konkret sein».
Trotz negativer Gesellschaftsutopie und sehr ernstgemeintem, auch außerliterarischen Engagement z.B. in Umweltfragen sei bei Atwood «von sauertöpfischer Verbissenheit […] keine Spur», stellt Frauke Meyer-Gosau fest. Im Gegenteil sei «Das Jahr der Flut» ein «Pageturner von Graden, mit komödiantischen Zügen und stetigen Perspektivwechseln». Auch Schriftstellerkollegen sind voll des Lobes: «sehr geistreich», «brillant» und «eigenwillig» urteilt etwa Cees Nooteboom in «Literaturen» über den Sammelband «Das Zelt».
Als Literaturwissenschaftlerin engagiert Margaret Atwood sich besonders für die Anerkennung einer eigenständigen kanadischen Literatur, ihre 1972 erschienene Studie «Survival» gilt heute als «bahnbrechendes, höchst unterhaltsames und inzwischen als Klassiker anerkanntes Werk» (Sigrid Löffler).