Beruf: Schauspielerin
Geb.: 16. Oktober 1954, Suhl
Schlaglichter: 1982 Shakespeare «Macbeth» (Lady Macbeth) R: Heiner Müller, Ginka Tscholakowa, Volksbühne Berlin; 1988 «Die Schauspielerin» (Titelrolle) R: Siegfried Kühn; 1996 Carl Zuckmayer «Des Teufels General» (General Harras) R: Frank Castorf, Volksbühne Berlin; 2003 Sarah Kane «Phaidras Liebe» (Titelrolle) R: Christina Paulhofer, Schaubühne Berlin; 2004 Edward Albee «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» (Martha) R: Jürgen Gosch, Deutsches Theater Berlin; «Der Untergang» (Magda Goebbels) R: Bernd Eichinger; 2008 Tschechow «Die Möwe» (Irina Arkadina) R: Jürgen Gosch, Deutsches Theater Berlin
Ehrungen (Auswahl): 1988 Internationales Filmfestival Karlovy Vary (Beste Darstellerin); 1993 Berlinale Kamera, 1994 Deutscher Kritikerpreis, 1997 Schauspielerin des Jahres; Adolf-Grimme-Preis, 2007 Goldene Kamera als beste deutsche Schauspielerin; Mitglied der Akademie der Künste
«Corinna ist ziemlich schonungslos» - Jürgen Gosch
Sie mag eine der bekanntesten Film- und Fernsehschauspielerinnen Deutschlands sein, eine Diva ist sie - im Theater - nicht. Zumindest, wenn es nach ihrem Kollegen Alexander Khuon geht, mit dem sie seit mittlerweile sechs Jahren Jürgen Goschs Inszenierung von Edward Albees «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» spielt. Bei so feierlichen Gelegenheiten wie der 60. «Virginia Woolf»-Vorstellung beglücke sie ihre Kollegen nach getaner Arbeit zum Beispiel gern mal mit einem erfrischenden «Na, das war ja eine Scheiße heute!», berichtet Khuon. Ein «unsentimentales Verhältnis zu Arbeitsergebnissen» bescheinigt ihr auch der Bühnenbildner Johannes Schütz, der bei jeder der Gosch-Inszenierungen, die Harfouch in den letzten Jahren gespielt hat, dabei war.
Vielleicht hat das damals, als Corinna Harfouch das erste Mal an der Schauspielschule vorsprach, ihre Prüfer irritiert. Vielleicht haben sie sie deshalb «wegen mangelnder Berufsleidenschaft» durchfallen lassen. Beim zweiten Mal klappte es, und bald nach dem ersten Engagement in Chemnitz kehrte Harfouch wieder nach Berlin zurück, um am Berliner Ensemble ein Engagement anzutreten und sich bald darauf in die benachbarte Volksbühne zu verirren, wo sie mit Heiner Müller und Frank Castorf arbeitete.
Nicht erst Bernd Eichinger entdeckte «ihre ungeschminkte, beiläufige Jeans-und-Pullover-Schönheit» auch für die Kinoleinwand und den Fernseh-Bildschirm. «Irgendwie marschiert sie noch durch die engsten Figurenschablonen nicht nur verblüffend unbeschadet hindurch, sondern schießt in einer Beiläufigkeit an allen Ecken und Enden über sie hinaus, dass im Resultat das Korsett eigentlich nie die Harfouch, sondern – um gekehrt – die Harfouch stets das Korsett beschämt, das der deutsche Durchschnittsfilm für (Frauen-)Figuren gemeinhin so vorsieht» beurteilt «Theater heute»-Autorin Christine Wahl das Verhältnis Harfouch - der deutsche Film.
Der Film hat sie lange vom Theater ferngehalten. Erst als Jürgen Gosch sie 2004 fragte, ob sie sich vorstellen könne, in seiner «Virginia Woolf» die Rolle der Martha zu übernehmen, kehrte sie zurück auf die Bühne.
Die Gründe dafür, dass sie auch in den darauffolgenden Jahren im Theater fast ausschließlich mit Gosch gearbeitet hat, liegen lange zurück: Als Gosch schon in den Westen gegangen und sie eine gerade fertig gewordene Schauspielerin war, gehörten eingeschmuggelte Gosch-Inszenierungsvideos bei den Theaterleuten zum inoffiziellen Fortbildungs-Muss, erinnert sie sich. Und vergleicht den Lehrmeister mit einem anderen Regisseur, der sie sehr geprägt hat: «Ich mag diese extreme Reduktion und dieses Misstrauen gegen sämtliche Mittel bei Gosch total. Aber ich mag auch Castorfs Spielideen, diesen Riesenraum, den er zwischen den ganz großen Überschriften und dem kleinen schmutzigen Leben da unten aufreißt.»