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Kolumne

Fast-Kultur
Illustration: VonLordJim
Vom ganz alltäglichen Schwachsinn in der Kulturlandschaft.

Meinen die das ernst?

Fragt man sich ja oft, wenn man sich in der Welt der Kulturschaffenden umsieht. Ob uns wieder mal eine neue Callas verkauft werden soll, Literaturpreise an Autoren gehen, die niemand liest oder Bilder für Mondpreise verkauft werden, die gar nicht von dem stammen, der mit seinem Namen für den hohen «Wert» des Bildes garantiert.

In den letzten Tagen kamen gleich zwei Pressemeldungen, die einen ins Grübeln bringen:

Da schreibt das «Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig» einen «Internationalen Kompositionswettbewerb» aus «für ein Stück mit einer max. Länge von 2-4 Minuten (Zeitdauer zum Verzehr eines Burgers)». Die höchstens zwölf Sieger bekommen je 400 € und eine Uraufführung ihrer Werke in der «Burger King Filiale Leipzig Radefeld».

PR-Gag oder ernstes Ansinnen? Im letzteren Fall könnte man immerhin sagen, dass hier der Neuen Musik einmal nicht vorgeworfen werden kann, dass sie an den Bedürfnissen und der Lebenswelt der Menschen vorbei produziere. Aber ob die Super-size-me-Gesellschaft beim Burger King wirklich für die klassische Musik gewonnen werden kann? Der Veranstalter hat immerhin einschlägige Erfahrung mit ungewöhnlichem Publikum. Letztes Jahr gab es ein Bordell-Konzert im Eros-Center Leipzig. Für 15 € konnte man Musik von Weill, Satie und Zeitgenössisches hören. Zumindest preislich eine echte Alternative zum sonstigen Programm an diesem Ort.

In Graz ist es nicht der Ort einer Veranstaltung, der Rätsel aufgibt. Sondern das Personal. Denn für «Le nozze di Figaro» wird ein Hund gesucht, «der wie ein eleganter Jagdhund aussieht, die Rasse ist allerdings nicht wirklich wichtig. Der Hund sollte gute Nerven haben, nicht schreckhaft sein, und aufs Wort gehorchen.» Für welche Rolle das Tier vorgesehen ist, wird leider nicht mitgeteilt - Herrchen und Frauchen können das aber am 4. Februar um 17 Uhr den Regisseur Josef Ernst Köpplinger persönlich fragen, der dem Casting beiwohnen wird.

Ob man auf diese Weise Hundeliebhaber für Mozart begeistern kann? Vielleicht sollte man dazu lieber für die Aufführungen hündische Begleitung zulassen - dann steht einem Erfolg der Premiere bestimmt nichts mehr im Wege.


01.02.2010 Klemens Hippel

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Nicola Schwarzmaier
von Nicola Schwarzmaier am 03.02.2010 21:56 Uhr

Ich denke, Kunst hat eine Daseinsberechtigung ohne Sinn und Zweck. Erstmaligkeit und Originalität genügen oft schon, um eine sonderbare Aktion zu einem Kunstwerk werden zu lassen.

P.S.: Vielleicht sollte ich mich mit meinem kleinen Chibi in Graz bewerben...

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