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Theaterarchitektur

Das Schauspielhaus Düsseldorf
Das Schauspielhaus Düsseldorf heute. Foto: Sebastian Hoppe
Vor 40 Jahren wurde das Düsseldorfer Schauspielhaus eingeweiht. Über den umfangreichen Neubau, der rund 125 000 cbm umfaßt, und der als "Großes Haus" eine konventionelle Schauspielbühne mit 1036 Plätzen und im "Werkstatttheater" eine variable Bühnenanlage mit 230 bis 310 Plätzen enthält, berichtet die BTR in Heft 1/70 und in Heft 2/70 über die Technik.
Gedanken zum Sprechtheater und dessen Bühne.

Schon eine Weile, bevor ich mich an dem Düsseldorfer Wettbewerb eines Schauspielhauses beteiligte, habe ich mir im Verfolg meiner Auseinandersetzung mit dem Theater eine Materialsammlung angelegt. Ich trug alles zusammen, was ich in deutschen und ausländischen Zeitschriften, Büchern, Broschüren, Denkschriften über Theaterbau fand. Dann studierte ich die Sachen kritisch und verglich sie mit meinen eigenen Beobachtungen an bereits fertigen Theaterbauten. Als ich für den Wettbewerb zu arbeiten anfing, war ich von vornherein der Überzeugung, ein Theater dürfe nicht zu verwechseln sein mit einem beliebigen Profanbau oder einem Sakralbau. Natürlich dachte ich nicht nur an etwas Unverwechselbares, sondern zunächst auch an etwas Außergewöhnliches, vielleicht noch nie Dagewesenes. Das tun wir Architekten nun einmal, und es gehört zur Eigenart des Berufes. Diese Freiheit sollte man uns lassen und nicht übelnehmen. Wesentlich ist allerdings, was von der Überfülle der Phantasie, die nichts als eine Begabung ist, richtig angewendet und realisierbar ist.

Foto: ArchivInzwischen hatte ich ausführlich Kenntnis genommen von den zahllosen Versuchen, von der Guckkastenbühne wegzukommen. Ich kenne inzwischen die verschiedensten Entwürfe und Modelle, die in den letzten 50 Jahren vor allem von Architekten erfunden, propagiert und dargestellt wurden, angefangen mit Kiesler, Strnad, Gropius' und Piscator's Totaltheater, viele, viele von interessanten Vorschlägen bis zu Jacques Polieri etc. Vom griechischen über das römische zum italienischen (Guckkasten), Shakespeare, Arena, mobilem Theater über drehbares Publikum zur drehbaren umfahrenden Bühne, versenkbar oder schwebend bis zu Polieri's Kugeltheater: nichts, was nicht schon phantasievoll gezeigt worden wäre. Ich bewundere den Erfindungsreichtum der Kollegen, gewiß, das imponiert mir durchaus, aber mir fiel auf, daß kaum eines dieser interessanten extravaganten Häuser bisher gebaut worden ist. Also stellte ich mir einfache Fragen: Für wen baut man eigentlich ein Theater? Für die Schauspieler? Für die Autoren? Für das Publikum? Lassen sich eigentlich die verschiedenen Wünsche so verschiedener Gruppen unter einen Hut bringen? Und dann tat ich wohl das Vernünftigste, was ich in meiner Lage tun konnte: Ich fragte die Theaterleute selbst. Ich fragte sie: Was wollt Ihr? Was erwartet Ihr von einem neuen Theater: Die Antworten lassen sich folgendermaßen zusammenfassen; sie lauten etwa: Wir wollen nichts weiter als einen möglichst großen, weiten, brauchbaren Spielraum haben, ja, einen „Spielraum" - ganz wörtlich meinten sie das, brauchbar für alle Arten von Stücken, von Sophokles bis zu lonesco.

Beim internationalen Colloquium 1960 - veranstaltet von Internationales Theater-Institut (ITI), Union Internationale des Architectes (UIA) und International Music Council (IMC) - in Berlin, bei welchem all' das auch zur Sprache kam, gipfelten zum Beispiel die Wünsche der Schauspieler in dem Ausspruch eines Schauspielers: „Gebt uns ein Nudelbrett!" Ich führte auch ein Gespräch mit Piscator, dem ich in meiner Unruhe die Frage stellte, was aus dem „Total-Theater" geworden sei, nachdem er doch jetzt fast 50 Jahre später Intendant der „Freien Volks bühne" Berlin, also eines Guckkasten-Theaters (à l'italienne) geworden sei? Die Antwort war die Erläuterung einer gerade im Gange befindlichen Probe und Inszenierung: auf der Guckkastenbühne.

Und was sagen die Dichter unserer Zeit, für deren Stücke angeblich die phantasievollsten Versuche gemacht wurden?

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Bernhard Pfau / BTR / Seite 7 / Februar 1970

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